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Die Welt ist ein Spiel mit Ingress von Google – aus der Sicht einer Nicht-Spielerin

von am 2. Juli 2013 verfasst


Wer oder was ist Ingress?

Ingress ist ein Spiel, in dem Google mit Hilfe von Augmented Reality die Welt zum Spielfeld macht – wie es auch schon Sascha Lobo auf spiegel.de feststellte.

So sieht das Spiel von außen betrachtet aus (meine Sicht ist die einer Nicht-Spielerin): Man spielt entweder bei den Blauen oder bei den Grünen und muss da draußen (in der Welt) sein Revier markieren. Das macht man, indem man „Portale hackt“. Portale sind immer feste Orte in der echten Welt (z.B. eine Statue oder ein Punkt auf dem Heiligengeistfeld), diese macht man dann blau oder eben grün. Diese Orte sind von Google festgelegt oder können von Spielern eingereicht werden. Die Spieler gehen also raus und hacken Portale, indem sie irgendetwas abschießen. Es ist dann schnell sichtbar, ob das Portal in grüner oder blauer Hand ist. Dazu kommt noch, dass man je nach Höhe des Levels, in dem sich der Spieler befindet, bessere Munition hat und außerdem kann man noch irgendwelche Felder bauen (mehrere Portale miteinander verbinden).
Mehrere Spieler von einer Sorte haben zusammen mehr Power, wenn sie Portale hacken und jemand in einem niedrigeren Level geht lieber mit jemandem in einem hohen Level mit, denn dann bekommt man mehr Punkte und darum geht es: Punkte sammeln, um in höhere Level zu kommen. Ach ja, und man muss rumlaufen und XM sammeln = Energie. Angaben hier ohne Gewähr und so sieht der Spaß aus:

Ingress

 

So ich denke das reicht zur Theorie, damit der Rest meines Artikels verstanden wird. Denn nun möchte ich meine Beobachtungen im Leben der Bürogemeinschaft schildern:

Es begann damit, dass der Erste spielte und dann Invite-Codes für die Anderen besorgte und schnell waren extra Akku-Packs bestellt, denn Ingress zieht Akku und seitdem erlebe ich mehr oder weniger täglich so etwas:

  • Mit Sven war ich kürzlich in Mainz auf einem Seminar unterwegs. Nachdem wir am ersten Abend etwas gegessen hatten und gen 23h auf dem Weg ins Hotel waren, sagte er: „Kannst schon ‚mal vorgehen, ich spiele noch ’ne Runde Ingress“. Am nächsten Morgen berichtete er, dass er noch 2 Std.(!) unterwegs war und sogar einen Ingress-spielenden Mainzer kennengelernt hat. (Man erkennt sie entweder an der Handy-Haltung oder sie sehen, dass jemand in ihrem Revier „rumhackt“).
  • Im Büro führt es dazu, dass statt oder kurz nach dem Mittagessen noch „Spaziergänge“ um den Block gemacht werden. Es sind Männer, die von Spaziergängen sprechen. Die Freundin eines Bürokollegen sagte „wenn ich ihn anrufe, wo er bleibt, weil er sich vor ’ner Stunde auf den Weg nach Hause gemacht hat, streunert er noch irgendwo bei uns ums Haus herum“. Mittags hört man dann auch Sätze wie „Hast ’n Key für die Keimzellen (Anm. Keimzellen ist ein Portal)?“.
    Man kann sich gegenseitig auch irgendetwas geben, was ja wiederum das Sozialverhalten trainiert…
  • Unseren Junior (Kollegen) treffe ich in der Küche, wenn ich mir Kaffee hole, mit dem Handy am Fenster. Hab‘ mir sagen lassen, das sei der einzige Ort, an dem man auch IM Büro spielen kann.
  • Mein Freund wurde auch irgendwann mit Ingress infiziert und ich finde es super. Denn auf einmal geht er freiwillig spazieren und man kann sich mit Ingress von Portal zu Portal durch die Straßen treiben lassen. Svens Kommentar dazu: „Meine Freundin hat es zwar noch nicht verstanden was ich mache, aber sie findet es auch super“.
  • Ein Entwickler unseres Vertrauens postete letztens das hier auf Facebook. Den hat Sven übrigens irgendwann samstags um 1h (nachts) in Eimsbüttel an der Apostelkirche in Eimsbüttel getroffen, da hat er seine Freundin hingefahren, damit sie schneller ins nächste Level kommt (oder so ähnlich).

Screenshot Facebook

 

Und da sind wir auch schon bei der zentralen Fragestellung:

Wie schaffe ich es, das Verhalten von Menschen zu ändern? Gib Ihnen ein Spiel – man nennt es auch Gamification

Sven fährt seit Ingress manchmal am Wochenende so um die 40km Fahrrad (natürlich extra Handyhalterung für’s Fahrrad gekauft). Für den einen oder anderen ergibt jetzt auch Google+ Sinn, denn dort gibt es Communities und Austausch zu Ingress. Der Teil mit der körperlichen Betätigung und dem Spielen, nicht nur vorm PC, hat ja schon etwas Gutes. Mir wurde aber auch von Spielern erzählt, die es aus Schutz ihres Familienlebens schon wieder sein lassen. Denn der Faktor Zeit für das Spiel ist nicht zu verachten.

Spannend finde ich das ganze mal weiterzudenken. Jetzt spielen (sorry Jungs) die Techi- und IT-Nerds und es findet noch eher in der Nische statt. Das kann sich aber auch schnell vergrößern und dann ist ein Portal vielleicht nicht mehr nur ein Stein da draußen, sondern die Tür eines McDonalds? Es bleibt auf jeden Fall spannend zu beobachten, was mit Spiel und Spielern zukünftig passiert.

Durch die Mini-Recherche für den Blog-Artikel entdeckte ich ein 56(!)-seitiges Google-Doc zum Thema how not to suck at Ingress. Wem also meine Erklärungen zu ungenau sind – kann hier mehr erfahren….

Kleine Anmerkung aus der Redaktion: Passagen, die das Spiel beschreiben, entsprechen der Sicht der Autorin und unter Umständen nicht in jedem Fall der Wirklichkeit.

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Svenja Teichmann

Geschäftsführung

Svenjas Themen liegen in der Strategie sowie in der Entwicklung von Organisationen, damit sie die Potentiale der Digitalisierung nutzen können. Darum drehen sich auch ihre Blogartikel. Sie ordnet Trends ein, die ihr begegnen und lässt manchmal auch Dampf ab, wenn ein Thema ohne Sinn und Verstand zum Hype wird.

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