Meinung

Existiert Facebook in 10 Jahren noch? Ja [ ] | Nein [ ] | Vielleicht [ ]

von am 15. Oktober 2019 verfasst


Es ist eine beliebte Frage auf Seminaren, Konferenzen und anderen Vorträgen: Ist Facebook in 10 Jahren noch am Start?
Direkt gefragt nach der Zukunft von Facebook wurde ich das zuletzt vor vier Wochen bei einem Impuls-Vortrag. Die Rückfahrt nach Hamburg nutzte ich, um meine Gedanken zu diesem Thema zu sortieren. Hier kommen sie: Meiner Meinung nach wird Facebook mit über 75% Wahrscheinlichkeit noch da sein.

Zunächst zeige ich dir, wie ich zu dieser Einschätzung komme. Und dann zeige ich dir, dass ich mit meiner Einschätzung wohl völlig daneben liegen werde. Am Ende hast du aber für dich hoffentlich etwas mitgenommen, um solche Fragestellungen für dich selbst zu beantworten. Übrigens: falls du Interesse an den Details der Umfrage zu Zukunft von Facebook hast, die im Mittelteil erwähnt wird, schreib eine Mail an facebook@crowdmedia.de

Eine mögliche Zukunft von Facebook: Die Fortschreibung der Entwicklung.

Totgesagt wird Facebook seit Jahren. Ich zitiere gerne diesen Mashable-Artikel von 2013: I’m 13 and none of my friends are on Facebook. Keine Ahnung, ob die damals 13-jährige Autorin noch auf Instagram und Facebook (da wurde sie mit 15 Mitglied) ist. Aber: Es sind netto mehr als genug Leute hinzugekommen. Wer damals das Ende von Facebook prognostizierte, lag also klar falsch. Aus 1,2 Milliarden Monthly Active Users im September 2013 wurden zuletzt 2,41 Milliarden. Also eine gute Verdoppelung in sechs Jahren. Für Facebook gilt das gleiche, das du in diesem Artikel auch zu Instagram lesen kannst: Die fetten Jahre für das Wachstum sind vorbei.

Dennoch gab es kein Quartal in den letzten Jahren, in dem das Wachstum nicht mindestens bei 1.6% lag. Hier spricht nichts dagegen, dass Facebook in 10 Jahren nicht mehr da sein wird. Am Ende dieser Zeitspanne wird die Nutzerschaft von Facebook gewachsen sein und erst langsam anfangen, zu schrumpfen.

Alternative Entwicklungen und das Ende von Facebook.

Das Problem dieser Betrachtung eines Trends: Was, wenn es massive Änderungen gibt? Das Wachstum ist in den letzten Jahren sukzessive flacher geworden, dennoch gab es keine massiven Einbrüche. Das bedeutet nicht, dass es in der Zukunft auch so sein wird. Was könnte Facebook in der Zukunft das Genick brechen?

Ich denke, dass es drei Aspekte gibt, die dem Modell Facebook im Kern gefährlich werden können:
1. die Nutzer gehen und der letzte macht das Licht aus
2. die Werbetreibende gehen und die Plattform ist nicht mehr rentabel
3. staatliche Regulierung bringt die Auflösung von Facebook

Somit ist die Frage aller Fragen: Tritt eines dieser Szenarien in den nächsten zehn Jahren ein? Das ist die Wette, die wir uns anschauen sollten. Wer sich für Facebook entscheidet, der setzt darauf, dass es die nächsten 3, 5 oder 10 Jahre noch am Start sein wird.

Hast du das schon mal so betrachtet: Bei Monopoly gehst du nach dem dritten Pasch ins Gefängnis. Stehen die Chancen, dass Facebook an die Wand fährt höher oder niedriger? Und würdest du ein Budget – das sicherlich jährlich fünfstellig ist – auf eine Reihe von drei Würfen mit setzen? Ich denke, das kannst du mit einem guten Gefühl machen. Meiner Meinung nach sind die Chancen von Facebook echt gut.

Meine Einschätzung: So geht es mit Facebook weiter.

Meine ersten Gedanken zum Thema sortierte ich im Bordbistro im ICE nach Hamburg. Und die sehen so aus:

Die Abwanderung eines Großteils der Nutzer halte ich für unwahrscheinlich.
Die Abwanderung der Werbetreibenden bis zu dem Punkt, dass Facebook das Geld ausgeht, halte ich auch für unwahrscheinlich. Obwohl es sicher gute Alternativen gibt. Mein Glaubenssatz: Facebook ist das TV des Social Media; es verschwindet nicht kurzfristig.

Und die Zerschlagung durch staatliche Stellen halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Selbst wenn es Initiativen gibt und weitere geben wird, sehe ich keinen für Facebook bedrohlichen Umfang.
In Zahlen ausgedrückt schätze ich die Wahrscheinlichkeiten auf: 10%, 15% und 3,5%.
Jetzt stehen da drei Zahlen. Die Frage ist, was machen wir aus denen. Wie so ziemlich jede Statistik wird es bei manchen Lesern sofort klick machen, andere werden eher verwirrt sein. Kommen wir also zurück zu Würfeln und Wetten.

Meine Prognose zur Zukunft von Facebook – deshalb wird Facebook durchkommen.

Auch wenn meine Lektionen in Stochastik schon ein paar Tage her sind, bin ich mir sehr sicher, dass folgender Ansatz aufgeht: Die Frage, ob es Facebook in 10 Jahren noch gibt, ist die Umkehr der Frage, ob eines der drei fatalen Ereignisse eintritt. Diese Wahrscheinlichkeit halte ich für gering, also besteht für Facebook in meiner Welt eine sehr hohe Überlebens-Chance. Facebook existiert in 90%, 85% und 96,5% der Fälle in 10 Jahren noch.

Dabei müssen nicht alle Ereignisse eintreffen, das größte Risiko ist in meiner Bewertung das Abwandern der Werbe-Treibenden mit 15% und der Mittelwert für alle drei bei 9%.

Plastischer wird es vielleicht als Beispiel mit den Würfeln: Jede Zahl hat die gleiche Wahrscheinlichkeit, nämlich 1/6 oder etwa 17% Prozent. Zwei Optionen wie z. B.: 1 oder 2 haben die doppelte Wahrscheinlichkeit also 34% oder 66%, das es nicht passiert. Und somit haben wir gerade einen Facebook-Überlebens-Test generiert. Such dir einen Würfel und wirf ihn: Wenn eine 1 fällt, dann ist Facebook in 10 Jahren weg. Bei einer 2 bis 6 ist Facebook in 10 Jahren noch am Start. So einfach ist das.

Wobei, ganz sauber ist es ja nicht. Eigentlich bräuchten wir eine feinere Unterteilung. Falls du so eine nerdige Rollenspiel-Vergangenheit hast wie ich, dann geh doch mal an deinen Würfelbeutel und hole einen D20 raus. (Falls du nicht weißt, was ein D20 ist, spricht das dafür, dass du zwischen 12 und irgendwas Mitte 20 ein echtes Leben hattest). Denn auf einem 20-seitigen Würfel hat jedes Ergebnis ein 5% Chance. Das passt gut zu meiner Annahme.

Der neue Test lautet also: Drei Würfe und die bitte dann größer 2, größer 3 und größer 1 und Facebook kommt durch. So sieht das in echt aus:

 

 

In Runde 1 gibt es eine 8, eine 14 und eine 2: Facebook bleibt also im Rennen. Mit den Resultaten 15, 2, 15 aus der zweiten Runde hätte es Facebook nicht geschafft.

Und das hier ist das die Verteilung von 1.000 Durchläufen dieses Tests mit einem Skript.

Ist Facebook in 10 Jahren noch da?

Quelle: eigene Grafik

Aber Achtung: Meine Meinung ist garantiert eine kontrastierende Einzelmeinung.

Vielleicht erkennst du das Kernproblem dieses Ansatzes: Das ist einfach nur meine Meinung. Und solche Meinungen sind stark gefärbt. Ich vermute, dass ich die Chancen von Facebook massiv überschätze. Denn seit mindestens fünf Jahren renne ich rum, zitiere den in der Einführung erwähnten Artikel aus mashable zur Überalterung von Facebook und sage dann sowas wie „totgesagt, aber noch am Leben“. Das muss doch dazu führen, dass ich viel zu optimistisch bin, was die Chancen für Facebook angeht. Daher unterschätze ich die Gefahren von Regulierung und Abwanderung vermutlich. Und so eine Einzelmeinung zu nutzen, ist sicher nicht optimal. Denn wir wollen ja weg von Meinung hin zu datengetriebenem Handeln.

Auf der anderen Seite ist ein Mensch, der sich selbst sehr um Datenschutz sorgt und auch gar nicht mehr so großer Fan von Facebook ist, vielleicht zu pessimistisch. Das kann uns aber helfen, in Summe ein normaleres Bild zu erhalten. Statt nur einem Experten befragst du besser mehrere Menschen. Die Summe ihrer Meinungen wird ein stabiles Bild geben. Auch wenn sie alle eingefärbt sind: Die Mittelwerte sollten ein stabiles Bild ergeben. Und selbst wenn das nicht, dann zumindest Denk-Impulse liefern.

Dazu hab ich meine Kollegen, mein Netzwerk über LinkedIn und Facebook und auch die Abonnenten unseres Newsletters befragt. (Dank der Hilfe meiner Kollegin Anna). Dass es meinen Optimismus erdet, hatte ich erwartet. Den Abstand zu meinen Einschätzungen finde ich überraschend hoch.

Die Zukunft von Facebook auf der Basis von 47 weiteren Meinungen.

Über ein Umfrage-Formular stellte ich die gleichen Fragen zu Nutzern, Werbetreibenden und staatlicher Regulierung und bat um eine Einschätzung auf einer Skala von 1 bis 10 für „ganz sicher“ oder „ganz sicher nicht“. Das übersetze ich dann für mich in Prozente von 0 bis 100 in Zehner-Schritten. Also etwas grober unterteilt als bei mir.  Außerdem habe ich die Frage noch etwas verfeinert und nach dem Status von Facebook „in 3 Jahren“, „in 5 Jahren“ und in „10 Jahren“ gefragt. Die Ergebnisse weichen deutlich von meiner Einschätzung ab.

Treiber für die Entwicklung von Facebook

Quelle: eigene Grafik

Im Schnitt sehen diese 47 Nutzer die Wahrscheinlichkeit, dass es Facebook in 3 Jahren noch gibt bei unter 40% sogar nur 25% in 10 Jahren. Grund dafür: Die Nutzer wandern ab. Das halten 25% der Nutzer für ganz sicher. 50% der Nutzer denken, dass es sehr wahrscheinlich ist. So übersetze ich die 8 von 10 möglichen Punkten für mich. Dass staatliche Institutionen regulieren werden, halten alle für am wenigsten wahrscheinlich: Diese Wahrscheinlichkeit schätzen die Befragten auf 40%.

 

Einschätzung Facebook in 3, 5 und 10 Jahren

Quelle: eigene Grafik

 

Bei der Bewertung zu bedenken: Wer ist die Quelle?

Da ich unterschiedliche Links für die Befragung auf LinkedIn, Facebook im Newsletter und intern bei uns verteilt habe, kann ich das nun auch nach Quellen getrennt betrachten. Meine Kollegin sehen die Welt für Facebook sogar am schwärzesten. Etwa 33% Chance, die nächsten 5 und nur 20% Wahrscheinlichkeit die nächsten 10 Jahre zu schaffen. Nutzer, die über Facebook zur Umfrage kamen, sind optimistischer: Fast 50% Chance geben sie der Existenz in 3 Jahren. Aber unsere Kernfrage war „Gibt es Facebook in 10 Jahren noch?“ und da sehen auch die Facebook-Nutzer nur eine 35% Chance.

Quelle: eigene Grafik

Zusammenfassung: Das kannst du für dich mitnehmen.

Wie vergibst du Budgets: Meinung oder datenbasiert?

Diese Frage stand am Anfang des Texts: Wie viel Geld würde ich auf Facebook setzen, wenn es ein Würfel-Spiel wäre? Meiner Meinung nach ist das ein guter Ausgangspunkt für jede Planung von Maßnahmen. Das eigene Portofolio an Kanälen regelmäßig so zu bewerten, ist sinnvoll. Hier drei Impulse, die dir dabei helfen werden.

Prognosen sind und bleiben schwierig.

Es gibt keine echte Glaskugel, die uns den Blick in die Zukunft erlaubt. Ich denke, eine komplexe Frage herunterbrechen, ist hilfreich. Wenn ich mir drei oder vier Faktoren anschaue, dann kann ich diese eher bewerten.

Viele Meinungen helfen.

Jeder von uns ist voreingenommen. Die eigenen Erfahrungen und frische Erlebnisse sind starke Einflüsse. Hast du schon mal eine Bewertung – natürlich ohne Blick auf die alten Ergebnisse – kurze Zeit später wiederholt? Bei grundsätzlich gleicher Faktenlage kommen da bei mir oft größere Unterschiede raus.
Daher sind mehr Meinungen sind hilfreich. Sie korrigieren deine Annahmen und Dinge, die du vielleicht nicht auf dem Radar hast. Gerade wenn sie quantifiziert und so vergleichbar sind. So siehst du, wo die Diskrepanzen groß sind. Das zeigt Gesprächsbedarf auf. Also hol dir nicht nur einen (Experten-)Rat ein. Frage mehr Personen.

Die Frage beeinflusst die Antworten.

Die Frage beeinflusst bereits das Ergebnis. Ich leite die „Überlebenschance“ von Facebook aus drei Teilfragen ab. Gerade bei dem Zeithorizont von drei Jahren bin ich überrascht, dass die Ergebnisse so niedrig ausfallen. Aber die Frage „Ist Facebook in drei Jahren noch da?“ wurde von mir nicht explizit gestellt.

Ob da auch die Antwort „50/50“ gekommen wäre?

Ganz anders wären sicher die Antworten auf die Frage „Ist Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt mit aktuell weltweit über 2 Milliarden aktiven Mitgliedern, in drei Jahren noch da?“ Ich wette, das wird zu 90% mit „Ja“ beantwortet. Also, bau deine Fragen nicht zu suggestiv auf. Frage nur, wenn du wirklich eine alternative Meinung wissen willst.

Und zur Erinnerung: Falls du Interesse an den Details der Umfrage zu Zukunft von Facebook hast, schreib eine Mail an facebook@crowdmedia.de

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Sven-Olaf Peeck

Geschäftsführung

Er mag das Internet und digitales Marketing. Er glaubt daran, dass alles messbar gemacht werden kann und auch sollte. Entsprechend schreibt Sven oft über Messbarkeit oder teilt seine Bewertung von Hypes. Svens Hoffnung: dass Firmen durch mehr Wissen weniger Quatsch im digitalen Marketing machen. Folge ihm auf LinkedIn oder Twitter für mehr Infos und auf instagram für Bilder mit dem HDR Regler am Anschlag .

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