Social Media

Ein Brief nach Mountainview, California oder Google+ und die Beziehungskrise

von am 14. Mai 2012 verfasst


Lieber Larry,
lieber Sergej,

so lange schon beschreiten wir gemeinsame berufliche Pfade, auch wenn euch das vielleicht gar nicht bewusst ist – denn während ihr der Kuchen seid, bin ich vielleicht eher der Krümmel in der größen Onlinewelt.

Keine falsche Bescheidenheit von meiner Seite, einfach nur die Realität zwischen denen, die das Thema Suche erst „so richtig“ erfunden haben und mir, da draußen dem Anwender & Berater.

Seit vielen Jahren habe ich meinen Alltag mit euren Produkten von Search bis Android, von Mail bis Calendar und zurück gestaltet und dank Adwords & SEO auch finanziert. Ich bin ein Google Fan, begeistert von euren Ideen und Ansätze, die im Nachhinein oft als einzig logische Konsequenz und Möglichkeit erscheinen (denn, hey, sein wir mal ehrlich wie soll denn Suche sonst funktionieren?) und beeindruckt von den gigantischen Datenmengen und dem was man daraus machen kann, vielleicht auch ein wenig voller Ehrfurcht vor der Macht, die aus diesem Wissen entspringt und besorgt, dass ihr der Verantwortung die daraus entspringt (denn wie bei Spiderman I gelernt, unendlich große Macht = unendlich große Verantwortung).

Gesehen habe ich eigentlich immer die Chance und selten das Risiko, hab Google Maps und Google Charts gecodet und in meine Websites integriert, Checkins visualisiert, virtuelle Marker gesetzt, Docs integriert und geshared.

Und vor knapp einem Jahr, da kamt ihr mit Google+ um die Ecke und das hat mich bis heute eher enttäuscht. Auch ein Alleinstellungsmerkmal: Premiere, es ist das erste eurer Produkte, dass diese Reaktion bei mir ausgelöst hat! Jetzt könnte mein Leben einfach sein, wenn ich nicht der wäre, der ich bin! Nein, es geht nicht darum alternativ Kanzler, König oder Königin zu sein, es geht darum dass ich Berater bin und Seminarleiter – denn wäre ich das nicht, dann könnte ich das verwirrende Google+ einfach ignorieren, so wie Amen oder Diaspora oder [… bitte lieber Leser hier Namen eines Nischennetzwerks deiner Wahl eingeben …]. Darüber hinaus beinflusst ihr ihr mit eurem Netzwerk auch eine Nebendisziplin, das SEO. Daran kann ich als Marketeer einfach nicht vorbeigucken.

Aber ihr seid nicht Nische, ihr seid einer der großen drei oder vier (oder fünf je nachdem wen man dazu zählt) die dabei sind, die Onlinewelt unter sich aufzuteilen. Also werde ich immer wieder danach gefragt und muss eine Meinung dazu haben. Aber ich werde einfach nicht so richtig warm mit eurem neuesten Baby.

Lieber Larry, lieber Sergej, vermutlich gibt es in jeder Beziehung immer ein auf und ab und ich bin mir ganz sicher, dass wir das zusammen schaffen werden. So eine kleine Krise kann all die wunderbaren Jahre, die wir hatten, nicht ungeschehen machen. Und wenn wir ganz fest daran arbeiten, dann werden wir das zusammen hinbekommen!
Auch wenn ich es wollte: Ich schaffe es einfach nicht ohne euch! Ich weiß, ihr hab mir goldene Brücke um goldene Brücke gebaut, die +1 Buttons auf Websites und in den Suchergebnissen, die konsequente Integration in die Kontooberfläche, die bunten Kreise, die in Google Mail auftauchen, um nur ein paar Brücken zu nennen. Und ja, ich weiß wie bemüht ihr um mich seid, werbt ihr doch um mich auf Websites und sogar im TV.

Aber irgendwie reicht es (noch) nicht, um mich so wirklich zu binden. Immer wieder schweife ich ab, melde mich Tage, manchmal Wochen nicht bei euch. Woran liegt es, frage ich mich?

Hat euer Kollege Marc es geschafft mir ein Bild davon einzupflanzen wie „Social Network“ aussehen sollte, so seid ihr mein Prototyp für „Suche“. Ihr seid die Könige der Information und des hochwertigen Contents (fast spamfrei und ohne nervige API Postings), ihr herrscht über Gossip und „social glue“. Trotzdem finde ich unter all dem Schutt auch all die Perlen, die mich und mein Business weiterbringen.

Ist und bleibt es ein reines Spiel der großen Zahlen? Solange er (fast) die Milliarde hat (mit einem Querschnitt aller meiner Freunde aus allen Lebensphasen meines off- und online Daseins) und ihr weiterhin gefühlt nur aus Codern und Alpha Nerds besteht, kann und wird es vielleicht auch daran liegen.

Ich will das, was wir hatten nicht aufgeben. Ich will, dass wir gemeinsam weiter dran arbeiten und vor allem hoffe ich, dass wir Freunde bleiben werden!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
Sven-Olaf Peeck

Geschäftsführung

Er mag das Internet und digitales Marketing. Er glaubt daran, dass alles messbar gemacht werden kann und auch sollte. Entsprechend schreibt Sven oft über Messbarkeit oder teilt seine Bewertung von Hypes. Svens Hoffnung: dass Firmen durch mehr Wissen weniger Quatsch im digitalen Marketing machen. Folge ihm auf LinkedIn oder Twitter für mehr Infos und auf instagram für Bilder mit dem HDR Regler am Anschlag .

Mehr Newsletter-Abonnenten aktivieren.

12 Archetypen im Marketing – strategisches Storytelling

Online-Marketing für die junge Zielgruppe