judgementday

Das Ende von Facebook steht vor der Tür

von am 30. August 2012 verfasst


Das Ende von Facebook steht also unmittelbar bevor. Vielleicht sogar noch vor dem Maya-geprüftem Weltende 2012? Schade eigentlich, denn die meisten Firmen begreifen ja langsam erst, was es überhaupt mit diesem Social Media auf sich hat und stürzen sich drauf. Sie fahren Aktionen, integrieren es (mal mehr, mal weniger sinnvoll und oft völlig sinnbefreit) in ihr Offline Marketing wie z.B. Holsten / Carlsberg, die auf ihren giant-size Häuserwand-Bannern und OOH-Plakaten dann jetzt auch mal dezent auf Facebook hinweisen.

Diese Werbe-Party soll vorbei sein bevor sie überhaupt so richtig los geht? Werfen wir einen Blick auf die Lage von Facebook und die folgenden Thesen der Untergangs-Apologeten.

  • Das Ende von Facebook steht bevor, weil Facebook die User nervt.
  • Das Ende von Facebook steht bevor, weil Facebook mit Werbung nervt.
  • Das Ende von Facebook steht bevor, weil Facebook seine User mit Datensammlung verängstigt.

Viele Journalisten wie z.B. Julia Friedrichs verweigern sich Facebook aktiv und finden das alles doof was da passiert. (Und das z.T. auch schlecht recherchiert wie Thomas Knüwer durchaus richtig zusammenfasst und oberflächlich begründet).

Viele Marketeers fragen sich auch gerade: „Wie lange noch Facebook?“ und es stellt sich eine gewisse Facebook Müdigkeit ein. Stagnierendes Wachstum, weniger Nutzungsintensität und sowieso stehen alle Ampeln auf rot bzw. dunkelgelb.

Viele werfen einen Blick auf Facebook und fragen sich: Macht das überhaupt noch Sinn? Was habe ich denn von Social Media? Und was ganz konkret von Facebook?

Wie sieht es denn aus? Was bringt Facebook?

Vielleicht liegt es ja auch nur daran, dass Großkonzerne nicht so schnell reagieren können. Aber trotz des Shitstorm Gehypes der letzten Wochen scheint es vielen der ganz großen ja doch noch Spaß zu machen – so feiert zum Beispiel Nutella aktuell seine erste Million Fans für die deutsche Facebook Seite. Klingt fies und viel.

Jetzt sagen verschiedene Leute, dass Nutella langfristig doch keinen Spaß mehr haben wird. Denn Facebook habe ja fertig und alles Gemenschel, was die Firmen raushängen lassen,  nervt uns User.

Facebook und die Leute da draußen – sieht so das Ende aus?

Was ich gerade spannende finde ist die Frage, ob die Argumente und die Facebook-Müdigkeit, die diagnostiziert wird, für alle oder nur für die digitale Elite, die darüber philosophiert, zutrifft.

Denn ohne z.B. Richard Gutjahr zu nahe treten zu wollen, die Einschätzung, ob Facebook relevant für eine Firma sei, trifft ja im Zweifel nicht der Twitterer, Alpha-Blogger und early adopter von Technologien. Die digital bohéme ist für Facebook nicht mehr wichtig, denn die Phase des Wachstums ist vorbei. Für uns gilt daher die ewig gültige „Rule # 6“ und der Hinweis, dass der Köder dem Fisch schmecken müsse – und nicht dem Angler.

Rule #6 nach Benjamin Zander, eigene Darstellung

Wenn ich mich jetzt in meinem Umfeld umgucke, dann merke ich für mich selber folgendes: Einerseits wandelt sich meine Nutzung weg von Facebook hin zu mehr verschiedenen Netzwerken und Plattformen. Da gibt es twitter und getglue und foursquare  und pinterest und und und. Alle haben sie ihre Berechtigung. Zwar steht Facebook als mein zentraler Hub immer noch in der Mitte, aber die Nischen werden wichtiger.

Wenn ich mir dann Leute anschaue, die keine Onlinemarketing-, SEO-, Affiliate-, Analytics- (tbc) Mäuschen sind, dann sind viele von denen echt noch fleißig am facebooken und großflächig schmerzfrei (aka nervig und overshare-ig), bei denen fehlt mir die Langeweile und Ermüdung noch etwas.

Gibt es sie denn nicht mehr, die „Facebook Hausfrauen“?

Der Begriff Facebook- (oder auch Gewinnspiel-) Hausfrau war für mich das geflügelte Wort der Social Media Conference 2011 in Hamburg. Wenn man Teilnehmern auf Seminaren davon erzählt, dann lächeln die immer darüber. Aber am Ende sind das die Fans und Kunden, die echten Menschen da draußen, die zu solchen hammerharten Zahlen beitragen, wie man z.B. am Wachstum von DM Drogeriemarkt in 2011/12 ablesen kann. Das sind riesige und aktive Communities.

Werfen wir einen Blick auf Nutella sowie deren eine Million Fans und fragen uns: Was bringt das denn eigentlich? Der ROI of Social Media (bzw. Facebook) und jegliche Erfolgsmessung wird hier schwierig werden, da Vertrieb indirekt stattfindet.

ABER:  Über 35.000 aktive User (unique) in den letzten Tagen, davon 680, die aktiv an die Pinnwand von Nutella geschrieben haben. Das entspricht einer Quote von 3,5 % aller Fans. Bei einer so großen Community beeindruckend viel. Und Feedback wurde in den letzten 12 Wochen auch fleißig gesammelt. Über 4.500 Kommentare und 37.000 „Gefällt mir“-Angaben in den letzten 12 Wochen.

Quelle: Facebook Graph

Kurzer Griff in die Statistik-Kiste, ein Blick auf die 5-Zahlen-Statistik (Mix-Q25-Media-Q75-Max) und den Mittelwert der User Interaktionen:

Quelle: facebook Graph

Was sagt uns das in der Kurzfassung?

Die Power-User sind rar gesät. 75% der User agieren nur im geringen Ausmaß mit einem „Gefällt-Mir“, posten und kommentieren hingegen nicht.

Aber immerhin 23% der Fans agieren mehr als 1x mit Nutella, 9% mindestens 2x und immerhin noch 0,5% (in absoluten Zahlen 157 User) agieren 10x (oder mehr) mit der Fanpage. Das ist 6,7x so viel wie der durchschnittliche aktive Fan.

Ich denke, da können wir von Power Usern sprechen. Und das ist ein Beispiel. Da draußen sind Communities entstanden, die vielleicht den hehren Anforderungen des Social Media Bildungsbürgertums nicht ganz gerecht werden. Und eben jene mögen das belächeln. Aber noch gibt es sie da draußen die Fans und Powerposter, die ihre Marke lieben. Sich um diese Menschen zu kümmern, das sollte sinnvoll sein und wertvolle Resultate liefern können.

Es wäre interessant, sich diese Zahlen auch für andere anzusehen. Meiner Meinung nach sind DM, bonprix und ähnliche vergleichbar. Würde ich mal so drauf wetten.

Also: Noch bleibt Facebook wichtig, auch wenn das nicht für alle Zielgruppen im gleichen Maße gelten wird. Und mal ganz ehrlich – auch wenn es uns Nerds und First Movern Spaß machen mag –

KEIN NORMALER MENSCH OHNE IT / ONLINEMARKETING BACKGROUND KENNT ANGEBOTE WIE WIE G+, FOURSQUARE, GETGLUE …

Für Firmen hingegen sind die normalen Menschen da draußen spannend und die scheinen dieses Facebook noch zu mögen.

Facebook ist nicht der Mittelpunkt des Social Media Universums

So viel ist mal sicher. Und ja, jetzt auf der Zielgeraden 2012 gilt es sich bewusst zu machen, dass es bereits jetzt eine Welt parallel von Facebook gibt und in Zukunft eine Zeit nach Facebook geben wird. Wer sich also für 2013 und danach rüsten will und aktuell auf der Suche nach der passenden Social Media Strategie ist, der sollte sich überlegen, welche der vielseitigen Optionen von Social Media seinen (Marketing-) Zielen am besten helfen könnte. Facebook alleine wird es selten bis nie sein. Aber ohne Facebook wird es wohl für die meisten auch nicht gehen.

Mein Fazit: Wer Facebook ignoriert oder es tot reden will, weil es ihn nervt, der handelt kurzsichtig und verstößt gegen „Rule #6“.

Wer sich einreden lässt, man solle Facebook in den Mittelpunkt stellen ohne links und rechts zu schauen, der wird langfristig Probleme bekommen.

Und: Ich glaube ganz fest daran, dass wir mit Social Media ein neues Massenmedium haben und das Facebook auch weiterhin eine recht große Rolle darin spielen wird. Die Art und Weise wird sich in den nächsten Monaten und Jahren noch feinschleifen. Aber aus dem Bewusstsein der „normalen“ User verschwinden wird es nicht.

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Autor

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Nach Ausbildung zum Drucker und BWL Studium startete Sven als Account Manager bei den Hamburger Adwords und SEO Spezialisten von eprofessional. Nach einer kurzen Phase als Freelancer gründetet er 2011 gemeinsam mit Svenja crowdmedia.Sven hat sich in eigenen und Kundenprojekten ein breites Wissen über Webtechnolgie und Onlinevermarktung raufgeschafft von dem unsere Kunden und die Teilnehmer unserer Onlinemarketing Seminare profitieren.

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