Social Media

Es sollte nicht sein: @crowdmediaSMM ist von uns gegangen

von am 22. Januar 2013 verfasst


Streng genommen hätten wir den Account einfach verschwinden lassen können. Heimlich, still und leise. Wahrscheinlich wäre es niemandem aufgefallen, benutzt haben wir den crowdmediaSMM schon ewig nicht mehr. Der letzte Eintrag ist vom 10. Oktober 2012.

Warum dann dieser Text? Im Zuge unserer Jahresnachbereitung 2012 haben wir uns ein wenig geschämt. Wir, in der Hauptsache digital natives, Nerds und Social Media MARKETINGMASCHINEN, kriegen es nicht gebacken, den eigenen Twitter-Kanal auch nur halbwegs solide zu bespielen. Dabei liegt es nicht daran, dass wir mit dem Kanal als solchen fremdeln. Nein, Wilko und Sven twittern regelmäßig, Svenja zwitschert selber nicht viel, nutzt Twitter aber zur Recherche. Und mit einigen klugen Tools wäre man sogar in der Lage, seinen privaten und den „gewerblichen“ Account gleichzeitig zu verwalten – das ist alles kein Hexenwerk, andere kriegen das wunderbar hin. Das wir es nicht hinkriegen, hat bei genauerer Betrachtung mehrere Gründe. Und die wollen wir euch erklären.

Es liegt, wie oben erwähnt, nicht am technischen Verständnis. Eigentlich ist der Hauptgrund für das Scheitern recht banal: Twitter ist als Kanal überhaupt nicht in unserem Bewusstsein (als Firma) angekommen. Wir sind Blogger. Social Media ist eine komplizierte Sache. Nein, weniger kompliziert als vielmehr komplex. Und es ist, zu großen Teilen, auch immer noch eine Meinungsfrage. Wir möchten uns auf Diskussionen einlassen, auch mal eine steile These begründet raushauen. Das geht alles nur bedingt auf Twitter.

Sicher, es gibt Unternehmen, die möchte man auf Twitter nicht mehr missen. @Telekom_hilft ist so ein Fall. Bei denen hat der Kanal seine volle Berechtigung. Menschen, die Servicefragen haben, twittern die Telekom an. Das entlastet ein Callcenter, bei dem die Anfragenden sonst gelandet wären. Absolut sinnvoll. Persönlich stehe ich auch auf die Tweets von @ProSieben. Oder @Tatort. Unterhaltungsbranche. Diese beiden Kanäle haben die Bedeutung von „second screen“ verstanden. Es macht Spaß, da mitzulesen, sich einzumischen und Fragen zu stellen oder zu beantworten.

Twitter ist ein sehr kurzweiliges Medium. Gegen Twitter ist die Werbespot-Schnitt-Frequenz zur Primetime im Privatfernsehen lachhaft. Ich selber folge über 900 Menschen. Wenn ich einen Blick in meine Timeline werfe, sehe ich immer etwas Neues. Und mit „neu“ meine ich nicht, dass sie jedes Mal anders aussieht. Ich meine damit, dass dort links auftauchen, die mich im wahrsten Sinne des Wortes „eines besseren belehren“. Wirklich jedes mal. So rasant ist Twitter. Da verwundert es nicht, wenn ein Tweet lediglich eine Halbwertszeit von 18 Minuten hat. Erstaunlich auch, dass Twitter ca. 500 Millionen Mitglieder hat, von diesen aber nur 25 Prozent aktiv sind. Aktiv bedeutet, sie twittern über einen bestimmten Zeitraum durchschnittlich einmal am Tag.

Twitter ist, so jedenfalls meine Lesart dieser beiden Zahlen, ein komplizierter Kanal. Und er bedeutet harte Arbeit. Alles ist schnell, schnell, zack, zack. Das ist für mich als Privatmensch gut. Ich kann mich in Twitter hineinfallen lassen. Ich kann zum Tatort lästern, bei Fußballspielen mitlesen, den Piraten beim zerfleischen zugucken oder erfahre relevantes für meinen Beruf. Aber das alles ist ungeplant, unsortiert und irgendwie archaisch.

Und genau das ist der Grund, warum wir als Kollektiv nie mit unserem Firmenaccount warm geworden sind. Twitter geht nicht „planbar“. Entweder ich habe genug Input von außen, um Menschen mit den Fragen zu beschäftigen, die rein kommen. Oder ich verstehe mich als unpersönlicher Diskursteilnehmer und hoffe, dass mich andere Menschen als Mensch-Marke ernst- und wahrnehmen. Kann und will ich beides nicht, lasse ich Twitter als Firma sein. Wir haben ein Jahr lang die schlimmste aller Möglichkeiten vorgelebt: Wir haben de facto lästiges Push-Marketing bezüglich unserer Blogartikel betrieben. Was für ein Unsinn. Der umgekehrte Schluss wäre richtig: Wenn unsere Blogartikel gut sind, landen sie sowieso bei Twitter. Auch ohne unseren eigenen Account. Aus all diesen Gründen beerdigen wir @crowdmediaSMM und sind nur noch persönlich erreichbar.

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Wilko Steinhagen

Ehemaliger

Wilko gehörte zu den ersten Kollegen bei crowdmedia. Im Sommer 2011 trafen wir uns nach unserem Umzug in einer Büro-Gemeinschaft auf der Reeperbahn. Schnell wurde er aus einer lockeren Kooperation mehr und Wilko der erste Redaktionsleiter bei crowdmedia. Alles was Blog und Newsletter bei uns angeht, steht auf einer Basis, die Wilko gelegt hat. Auch wenn das Abenteuer Reeperbahn nach nur eineinhalb Jahren endete, blieb Wilko uns bis Sommer 2016 als Kollege erhalten. Dann zog es ihn samt seiner Familie nach Schleswig, wo er als Online-Marketing-Manager bei einem mittelständischen Unternehmen tätig ist.

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