Hamburger Rathaus

Gibt es ausreichend digitale Kompetenz und Social Media Aktivität in der Politik?

von am 3. Oktober 2012 verfasst

Eingeladen von Kersten Artus, der Vizepräsidentin der Hamburger Bürgerschaft fand der Themenabend der Digital Media Women diesmal im Hamburger Rathaus statt, was für eine tolle Atmosphäre sorgte. Der Abend stand unter der Prämisse „Gibt es ausreichend digitale Kompetenz und Social Media Aktivität in der Politik?“.  Kersten Artus – digital sehr aktiv – sagt selbst „die Politik ist mit dem digitalen Medium derzeit hoffnungslos überfordert“ und erklärte, dass zumindest die Hausordnung der Bürgerschaft geändert wurden und „twittern jetzt explizit erlaubt sei“. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die weiteren Beispiele mit der sie ihre Aussage stützte waren doch leider ernüchternd. Sie beobachtet die Vorstöße ihrer Abgeordneten Kollegen im (Social) Web – diese beschränken sich doch eher auf Fan sammeln oder Freundschaftsbestätigungen. Die Möglichkeiten des echten Dialogs nimmt leider kaum jemand wahr. Email-Flut bei Abgeordneten und fehlendes Wissen über die digitale Welt fördert nicht gerade die Auseinandersetzung mit Facebook & Co.

Eingeleitet wurde die Diskussion mit einem  Zitat von SPD-Kanzlerkandidat Per Steinbrück: „Ich kann in sozialen Medien nicht authentisch sein und bin besser offline als unecht. Irgendwie ist es ja sympathisch, dass er erkennt, dass er Social Media Aktivitäten lieber lässt, bevor es nicht authentisch ist. Aber kann sich ein Politiker das noch leisten Generation Y & Co. zu ignorieren?

Schon waren wir bei einer zentralen Diskussionsfrage des Abends: Wie viel digitale Medienkompetenz MUSS ein Politiker mittlerweile haben? Für einen Besucher ist es vollkommen ok, wenn die PR-Agentur twittert und facebookt, sofern es denn die richtigen Informationen sind. Auf die Frage „Reicht es, wenn ein Politiker ausschließlich über sein Team über Medienkompetenz verfügt?“ antwortete Renate Spiering mit der Formulierung „Experten Know-how über die digitale Welt kann man nicht erwarten. Aber als Wähler, der durch die Politiker repräsentiert wird, kann ich zumindest erwarten, dass Politiker ein Seepferdchen im Bereich digitale Medienkompetenz haben“ – denn in der Netzwelt findet mittlerweile einfach ein nicht irrelevanter Teil an Meinungen und Diskussionen zu gesellschaftlichem Leben statt. Hier ist als noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu tun. Kersten Artus findet es daher schade, dass Schulung im Bereich Medienkompetenz immer nur auf Kinder und Jugendliche zielt, wo wir doch alters- und branchenübergreifend den Bedarf sehen.

In ein anderes Thema – nicht weniger spannend – führte an dem Abend Nils Boeing ein – aktiv bei Recht-auf-Stadt. Er wünscht sich durch die Netzwelt und fernab von Facebook Möglichkeiten für echte Bürgerpartizipation und Transparenz. In diesem Zusammenhang führte er ein Beispiel der Initiative Wunschproduktion Rindermarkthalle (kein Einblick in den Vertrag zwischen Stadt und EDEKA). Fehlende Transparenz der Aktivitäten der Politik in Bezug auf die Stadt führt dazu, dass es engagierten Bürgern nahezu unmöglich ist, 100prozentig zu verstehen was, wie und warum entschieden wird. Seiner Meinung hat parlamentarische Politik ausgedient, weil die Urväter des Parlamentarismo sicherlich nicht eine für Bürger nicht mehr nachvollziehbare intransparente Bürokratie gewollt hätten – interessante These.

Die Bürgerpartizipation in der Politik führte dann in das Diskussionsthema „für wen ist Politik überhaupt interessant und wer interessiert sich wie dafür?“. „Parteien haben kein Monopol auf Politik – ich kann mich auch ohne Parteizugehörigkeit engagieren“ z.B. ehrenamtlich, NGOs, Bürgerinitiativen & co. Für Inken Meyer von den DMWHH ist Politik ähnlich wie Emanzipation irgendwie negativ behaftet. Da kann ich nur zustimmen. Mein Eindruck ist, dass viele junge Leute der internetaffinen Generationen genervt und gelangweilt sind von Politik, weil meist nur das ankommt, was wir in den Medien sehen: unmögliche Aussagen und Auftritte der Spitzenpolitiker bei Jauch, Maischberger & Co.
Immerhin habe ich dadurch Social TV für mich entdeckt – wir sagen dazu „Talk Show Twittern“ (Tipp auch für nicht Twitter-User – während einer politischen Talkshow auf Twitter über Hashtag oder Suche mitlesen: Großes Kino). Zurück zum Thema. Mein Eindruck ist, dass die Nicht-Präsenz von vielen Politikern und Parteien und deren Ignoranz (trotz des Aufkommens der Piraten nimmt sich keiner der Themen an, die diese belegen). Tendenz zu es ist Wahl und keiner geht hin, sehen wir ja schon heute und ich habe nicht das Gefühl, dass sich das kurzfristig ändert. Die Abgeordnete Kersten Artus führte einige Beispiele auf, wie versucht wird, Politik den Bürgern näher zu bringen. Es gibt den Tag der offenen Tür (jährlich im September), den eher Touristen als Hamburger wahrnehmen und verschiedene PR-Medien, wie z.B. ein Buch „meine Freundin die Abgeordnete“, eine Facebookseite der Bürgerschaft & Co. Leider kommt vieles nicht bei den Leuten an, was sehr schade ist. Und hier hätte die Politik mit der Nutzung der digitalen Medien und Social Media eine große Chance.

Kersten Artus hat dies erkannt und wird nicht müde innerhalb der Bürgerschaft pro online aufzuklären und sie hat es geschafft, mein Bild von digital ignoranten Politikern zu verschieben Nebenbei: sie war sogar schneller mit ihrem Blog-Artikel als ich. In diesem lässt sie den Abend Revue passieren und zitiert mich: „Mich interessieren Themen, nicht Politiker“. Gerne mehr von dieser Art der Politik.

Der Abend in Bildern ist übrigens bei den DMWHH auf Facebook zu finden.

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Svenjas Wurzeln liegen in der Kundenbindung, hier sammelte sie als Beraterin ihre ersten Erfahrungen. Stationen im eCommerce bei Otto in Hamburg führten sie ins Onlinemarketing.Bei gemeinsamen Seminarauftritten lernte Sie 2010 dann Sven kennen und gründete mit ihnm crowdmedia. Als zertifizierte Business Trainerin leitet sie Workshops und Führungskräfte Trainings.

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