Social Media

Google+ oder: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom

von am 6. März 2013 verfasst


Einen Satz habe ich während der Social Media Week in Hamburg in ähnlicher Form immer wieder gehört: „Google+ lohnt sich nicht“. Der eine oder die andere hat diese Aussage noch ein wenig eingeschränkt mit Sätzen wie „…, wenn dein Unternehmen nicht aus dem Technikbereich kommt“ oder „…, wenn deine Zielgruppe nicht junge, technik-affine Männer sind“. Zumindest ein Stück weit zähle ich mich persönlich zu dieser Zielgruppe, auch wenn meine Aktivitäten in Googles sozialem Netzwerk bisher recht überschaubar sind. Unterschreibt ihr widerspruchslos die eben widergegebenen Aussagen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr mir bei diesem Thema einfach ein bisschen Voreingenommenheit vorwerft. Das ist natürlich Euer gutes Recht, aber es wäre meiner Meinung nach genauso kurzsichtig, wie die wiedergegebenen Aussagen zu Beginn. Ich erahne spätestens jetzt das eine oder andere „Warum?“ in euren Köpfen auftauchen, darum genug drum herum geredet und ab ans Eingemachte (Nicht von Oma, aber garantiert ohne Pferd!).

Was spricht für Google+?

Ich habe es eben schon angedeutet: Auch meine eigenen Aktivitäten auf Google+ sind milde gesagt ausbaufähig. Das geht euch auch so? Falls ihr es jetzt noch nicht gemacht habt, legt die obligatorische Denkpause ein, damit auch dem Letzten klar wird, warum ich so eine banale Frage stelle. Gut, ich helfe mit. „Ausbaufähig“ ist hier das entscheidende Stichwort. Facebook nutzt mittlerweile fast jeder. Das Argument schlechthin für viele Firmen, die begründen wollen, warum sie überhaupt auf Facebook sind oder dahin wollen. Das gilt nicht nur für die privaten Nutzer, sondern auch für Firmen bzw. Marken. Wenn ihr dann noch ähnlich freigiebig mit dem Like-Button umgeht wie ich, dann habt ihr vermutlich ein ähnliches „Problem“: Inhalte gehen unter. Das kann manchmal ärgerlich sein oder, was vielleicht sogar häufiger der Fall ist, man kann sich glücklich schätzen keine Zeit mit Nonsens verschwendet zu haben. Hier ist Eure Firmen-Page also nicht bloß eine von vielen, sondern eine von verdammt vielen. Bei Google+ ist die Lage, zumindest im Moment noch, deutlich überschaubarer. Die Chance, dass User tatsächlich erreicht werden, ist also zumindest potentiell gar nicht mal schlecht. Vorausgesetzt, dass mein Content ankommt. Da kommen wir wieder auf die Zielgruppe zurück.

Auf wen zielen meine Beiträge auf Google+?

Es wurde schon angesprochen, dass momentan die meisten User auf Google+ eher jung, männlich und mehr oder minder stark der Spezies Nerd zuzurechnen sind. Ein Hersteller, der ausschließlich Damenmode für die Frau über 30 anbietet, ist demnach nicht so richtig sinnvoll in dem Netzwerk unterwegs. Falsch gedacht, denn genau da beißt sich der Hund in den Schwanz. Fast ein bisschen enttäuscht wird auf die eingeschränkte Zielgruppe bei Google+ geschaut. Und warum ist das so? Unter anderem, weil für Viele weniger interessante Inhalte zur Verfügung stehen, als es beispielsweise bei Facebook der Fall ist. Kein Content lässt die breite Masse weg bleiben, was wiederum dazu führt, dass sich Firmen als potentielle Content-Lieferanten in Zurückhaltung üben.

Für wen lohnt sich Google+?

Die Frage ist natürlich nicht überraschend, aber sie erscheint mir nicht so simpel zu beantworten zu sein, wie eingangs angesprochen wurde. „Es kommt darauf an“ ist eine beliebte Antwort auf die Frage nach dem Erfolg, wie ich von Sven lernen konnte. Was soll also mit einer Page bei Google+ erreicht werden? „Möglichst viele Kunden oder solche, die es werden wollen“, wäre eine vorstellbare Antwort. Das ist für bestimmte Branchen, wie bereits erläutert, in Google+ einfacher, als für andere. Zumindest momentan. Und das erscheint mir genau der Punkt zu sein, der von vielen Unternehmen, die mit Google+ liebäugeln, vergessen wird. Google+ hat in meinen Augen ein wesentlich größeres Potential, als beispielsweise Tumblr oder Pinterest, Facebook den Rang zumindest ein Stück weit streitig zu machen, wenn es um die direkte Kommunikation zwischen Freunden oder Bekannten geht. Das klingt so, als wäre eine Google+ Page ohne Technikbezug Pionierarbeit. Stimmt – in gewisser Weise. Letzten Endes können den Nutzern eben auch Inhalte geliefert werden, die sie auch jetzt schon interessieren, die aber auf Google+ bisher nicht angeboten werden. So muss Lesestoff nicht immer Programmiersprachen zum Inhalt haben und Getränke haben dort nicht nur Ihre Berechtigung, wenn sie die empfohlene Tagesdosis Koffein um das zehnfache übersteigen. Wer nun entgegnet, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis hier nicht stimmt, macht es mir schwer ihm zu widersprechen. Glücklicherweise hat er aber die gleichen Probleme, wenn diese Aussage argumentativ untermauert werden soll. Das passiert spätestens dann, wenn das Potential dwelches Google+ hat, entsprechend positiv gewertet wird. Und wenn das partout nicht klappen sollte, dann verbucht ihr das Projekt Google+ für euch unter Suchmaschinenoptimierung. Es soll ja unsinnigere Dinge geben, in die man sein Geld stecken kann, richtig?

Und nun?

Mein Wunsch, dass zukünftig mehr Unternehmen den Beschluss „Auf zu Google+“ fassen, ist vielleicht schon durchgeschimmert… Natürlich bleibt dabei ein gewisses Risiko, dass ich mich völlig irre und Google+ in Deutschland immer nur eine Anlaufstelle für Nerds bleibt, unabhängig davon, ob nun ganz viele Firmen damit beginnen sich dort zu präsentieren oder nicht. Eines steht für mich jedoch fest: Wenn sich keiner traut diesen Schritt zu tun, dann werden meinen Gedanken mit Sicherheit widerlegt. Ob mich zu widerlegen oder eine Chance zu verpassen schwerer wiegen, diese Entscheidung überlasse ich euch.

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Dennis Virkus

Ehemaliger

Dennis war 2013 zunächst Praktikant und dann Trainee. Seine Leidenschaft für das Angeln hat er nicht nur mit der Rute in der Hand, sondern auch als Autor beim Leitmedium der Angel-Szene “Rute und Rolle” an der Tastatur ausgelebt. Entsprechend hatte er auch bei uns die Themen Blog und SEO im Blick. Nach seiner Trainee-Zeit nahm er die Arbeit bei “Rute und Rolle” in Vollzeit auf und ist aktuell Senior-Online-Marketing-Referent bei einer großen Personalvermittlung in Hamburg.

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