Klout-Score Slogan

Klout-Score – Chancen und Kritik

von am 30. Juli 2013 verfasst


In der Vorstellung des Klout-Score aus der vergangenen Woche ging es vor allem um die Frage, wie sich die Punktzahl berechnet und welche Faktoren in die Berechnung einbezogen werden. Im Rahmen meiner Recherche zum Klout-Score bin ich über einige Fragestellungen und Kritikpunkte gestolpert, die in diesem Beitrag aufgeführt und behandelt werden.

Klout-Score – Was bringt er mir ?

Die naheliegendste und mit Vorurteilen behaftete Antwort auf diese Frage dürfte wohl die Befriedigung des eigenen Egos sein, die einfach einmal so dahingestellt sei. Auf die Frage, wie aussagekräftig der Score tatsächlich ist, wird später noch einmal im Rahmen der Kritik am Klout-Score eingegangen.

Für den nächsten Grund, Wert auf den Score zu legen, ein kleiner Ausflug in Richtung des Geschäftsmodells von Klout: Klout bietet Unternehmen die Möglichkeit an, sogenannte Perk-Kampagnen zu buchen und so mit Klout zusammen zuarbeiten. Durch die Perks können die Unternehmen dann bestimmten Nutzern, welche sich für die Klout-Perks angemeldet haben, Boni bzw. kostenlose Geschenke zukommen lassen.
Wer solch ein Perk bekommt, wird vorher anhand von vordefinierten Zielen (dem Klout-Score, den Topics des Nutzers, dem Standort des Nutzers etc.) festgesetzt. Nutzer werden somit für die Verbreitung von, für das jeweilige Unternehmen passenden, Content belohnt und dazu motiviert, den Content auch weiterhin zu verbreiten. Außerdem ist die Chance sicherlich nicht gering, dass Nutzer in den sozialen Netzwerken von ihren Perks berichten und so Content, passend für das jeweilige Unternehmen, generieren und streuen.

Klout-perks

Quelle: Instagram (Screenshot)

Klout-Perks in Deutschland? Fehlanzeige. Die Klout-Perks richten sich derzeit (noch) an die Nutzer in den USA. Wir sind allerdings sehr gespannt, ob und wann die Klout-Perks auch nach Deutschland kommen werden.
Eine interessante Überlegung hierzu könnte auch der Faktor „Gamification“ werden.

Neben der Belohnung von Multiplikatoren durch Perks kann natürlich auch das bloße auffinden von diesen sehr hilfreich für Unternehmen sein. Hier kann man sich aber auch die Frage stellen, wie nachhaltig diese über Klout gefundenen Multiplikatoren sind. Was ist beispielsweise mit Nutzern, die man als Multiplikator ansehen würde, obwohl diese den Klout-Score hauptsächlich als Mittel zum Zweck, sprich der Zusendung von Klout-Perks nutzen? Hier denke ich, dass ein passend aufgesetztes Monitoring wahrscheinlich nachhaltiger und somit sinnvoller für ein Unternehmen sein dürfte.

Interessant fand ich auch die Überlegung zum Klout-Score als Shitstorm-Warnsystem. Inwieweit allerdings ein Blick auf den Klout-Score einer Person weiterhilft, die Kritik auf meiner Facebook-Fanpage gepostet hat oder Kritik an einem Produkt in einem Blog oder Forum übt, um die möglichen Auswirkungen abzusehen, ist fraglich. Schaden kann es zumindest nicht … oder doch: Die Kritik einer nicht-einflussreichen Person zu unterschätzen, weil der Klout-Score doch nur bei 13 liegt, könnte sich auch fatal auswirken, wenn die Kritik deswegen ignoriert oder hinten angestellt wird und sich hochschaukelt.
Ich meine sogar von Unternehmen gelesen zu haben, die Kundenbeschwerden anhand der Klout-Scores, von hohen zu niedrigen Scores, abarbeiten…

Wenn man Spiegel-Online Glauben schenkt, wird Klout „bei Personalern immer beliebter. […] Immer mehr Chefs beantworten diese Frage [Wer ist ein Social-Media-Hecht?] mit dem Klout-Score – und verzichten deshalb vielleicht auf ein Bewerbungsgespräch“. Brauche ich dementsprechend also einen hohen Klout-Score, um meine Chancen auf einen Job oder ein Bewerbungsgespräch zu erhöhen? Fakt ist, in den USA gilt der Klout-Score mittlerweile als Auswahlkriterium (siehe nächstes Bild) und in Deutschland sollte man sich zumindest Gedanken darüber machen, wenn man den Einstieg oder einen neuen Job in einem Unternehmen der digitalen Branche oder einen Job als Community-Manager sucht.

Klout als Job-Kriterium

Quelle: http://www.social-media-magazin.de/artikel/magazin/heft-nr-2012-01/l1/abenteuer-mit-klout/

Der Klout-Score könnte zukünftig auch für (die interne Kommunikation in) Unternehmen interessant werden, denn seit Ende Juni besteht die Möglichkeit seinen Klout-Score in Yammer, einem sozialen Netzwerk für die interne Unternehmenskommunikation, einzubinden.

Klout-Score Posting in Yammer

 

Vereinfacht gesagt sieht Klout darin die Chance, verborgene Interessen (Topics) von Mitarbeitern aufzufinden und diese Interessen dann für das eigene Unternehmen einzubinden, diese Talente zu fördern und natürlich den Einfluss der Mitarbeiter als mögliche Multiplikatoren zu nutzen.
Allerdings sollte auch hier beachtet werden, dass einige Interessen dem Ansehen innerhalb des Unternehmens wohl eher schaden, als nutzen könnten.

Klout-Score Kritik

Der wohl am häufigsten gelesene und aufgeführte Kritikpunkt am Klout-Score ist die Frage nach Quantität vs. Qualität der Punktzahl. Es ist Klout nicht möglich, die qualitative hochwertigen von anderen Kommentaren oder Tweets zu unterscheiden. Beziehungsweise müsste erst einmal festgelegt werden, wie man Qualität in sozialen Netzwerken definieren würde. Oder ob dies vielleicht überhaupt nötig ist…
So könnte beispielsweise auch ein hoher Klout-Score erreicht werden, wenn Katzen-Content gepostet wird, der ein hohes Maß an Interaktion heraufbeschwört.
Was Klout nach eigener Aussage allerdings versucht in den Algorithmus einzubeziehen ist, dass es beispielsweise besser für den Score ist, wenn ein Beitrag von einem Nutzer geteilt wird, der nur ein Mal am Tag etwas teilt, als wenn es ein Nutzer teilt, der 100 Mal am Tag Inhalte teilt. Allerdings stellt sich mir hier die Frage, was passiert, wenn ein Nutzer 100 Mal am Tag qualitativ hochwertige Inhalte teilt?

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Berechnung des Klout-Scores nicht nachvollziehbar ist. Hier möchte ich auch direkt den folgenden Punkt mit anschließen: Geht durch den Druck, einen hohen Score erreichen zu wollen, die Authentizität und Spontanität der eigenen Posts nicht vielleicht etwas verloren? Und wie wäre dies erst, wenn man wüsste, wie sich der Score denn tatsächlich berechnet? Vermutlich würde das dem Score seine Wertigkeit – wie wertvoll der Score ist, sei hier einmal dahingestellt – entziehen.

Abgesehen von der Möglichkeit, dass Nutzer ihr Postverhalten für den Score optimieren können, besteht auch die Möglichkeit, einen Score mit Bots zu erzeugen. In diesem Artikel wird beispielsweise über einen interessanten Versuch berichtet, der aufzeigt, dass es möglich ist, mit Twitter-Bots einen recht hohen Klout-Score zu erzeugen (vielen Dank an Andreas für den Link). So konnte beispielsweise aufgezeigt werden, dass der Klout-Score, nur durch das Akquirieren von Followern, der Bot hat sich dafür zunächst bei 2.000 Nutzern zum Follower gemacht und damit für sich wiederum 417 Follower generiert, auf 18 Punkte angehoben werden konnte.
Die Tatsache, dass ein zweiter Bot durch Tweets einen Score von 41,8 erreichen konnte, ist, wie ich finde, nicht weiter verwunderlich, zeigt aber deutlich, dass es sich bei scheinbar einflussreichen Nutzern, nicht um ebensolche handeln muss.

Wenn man diese Überlegungen etwas weiterspinnt, kann man zu der Frage kommen, warum der Score denn überhaupt als wertig angesehen werden sollte? Klout hat mit der Einführung des Scores zunächst einmal einen Messparameter für den Einfluss in sozialen Netzwerken erschaffen, der von vielen Nutzern auch so angenommen wurde, ohne vielleicht einmal zu hinterfragen, mit welcher Begründung oder welchen Beweggründen Klout festlegen durfte, wie viel Einfluss man hat. Für Klout lag der Erfindung des Scores natürlich der Selbstzweck des Geschäftsmodells zu Grunde.

Wie so oft einer der Kritikpunkte: Der Datenschutz. Oftmals wird kritisiert, dass auch Personen suchbar sind, die nicht bei Klout angemeldet sind. Allerdings hallte ich diesen Punkt nicht für allzu gravierend, da Klout ja eh nur öffentlich zugängliche Informationen in seine Berechnung einbezieht. Ob dies allerdings wirklich so ist, bleibt natürlich offen.

Fazit

Für mich ist die Frage, ob man Wert auf den Klout-Score legen sollte, eine nicht einfach zu beantwortende. Wichtig fände ich es, dass sich Nutzer zumindest mit den Möglichkeiten und den Problemen des Klout-Scores auseinander gesetzt haben, um darauf aufbauend ihre Entscheidung zu fällen. Daher auch die wenig hilfreiche Aussage: Im Grunde muss es einfach jeder für sich selbst wissen, ob er sich bei Klout anmelden will oder es eventuell sogar für seine Karriere hilfreich sein könnte.

Ich persönlich fände es zum Beispiel schade, wenn sich durch den Klout-Score bzw. die möglichen Benefits das Verhalten der Leute dahingehend ändern würde, dass alles im Hinblick auf einen möglichst hohen Score optimiert würde.
Sollte dies so kommen, dass die Leute Klout hauptsächlich als Mittel zum Zweck verwenden, würde Klout meiner Meinung nach auch seine Daseinsberechtigung – wenn Klout diese jemals hatte – verlieren, weil es dann nicht mehr um den wirklich Einfluss, sondern um einen künstlich aufgebauten Einfluss ginge. Dabei bleibt die Frage natürlich offen, wie die Chance einzuschätzen ist, dass der Klout-Score ein Mittel zum Zweck würde und ob sich nicht eine Selbstregulierung einstellen würde.

Ich freue mich auf eure Einschätzungen und Meinungen zum Thema!

Update: Klout und Bing erweitern die Zusammenarbeit

Dass Microsoft, in Form der firmeneigenen Suchmaschine Bing, mit Klout kooperiert, habe ich oben bereits geschrieben. Nun haben Klout und Microsoft diese Kooperation weiter ausgebaut.

Zum einen wird der Klout-Score nun dadurch beeinflusst, wie oft der Name eines Klout-Nutzers bei Bing gesucht wird. Denn was ist (nach Klout) schon ein besseres und direkteres Anzeichen dafür, wer in der „real world“ Einfluss hat, wenn nicht die Suche nach Namen bei Bing!?

Zum anderen können Klout-Nutzer nun einstellen, dass bei Bing suchen nach Ihrem Namen die folgenden Infos angezeigt werden:

  • Die öffentliche Zusammenfassung des eigenen LinkedIn Profils
  • Links zu den mit Klout verbundenen Netzwerke des jeweiligen Nutzers
  • Der Klout-Score sowie einflussreiche Themen des Nutzers
  • Zwei der, Klout nennt es „most influential public moments“ von Twitter und Instagram

Dies funktioniert indem Nutzer Ihren LinkedIn-Account mit dem Klout-Profil verbinden – im Blog-Beitrag von Klout funktioniert dies mit einem Klick. Anschließend haben die Nutzer dann die Möglichkeit, Ihr Bild auszuwählen, welches in der Bingsuche angezeigt werden soll.

3 Comments

Lisa

Oktober 2, 2013 @ 16:36

Reply

Hallo Herr Schlepper,

können Sie mir Auskunft zu den Kosten einer Perk-Kampagne geben?
Fallen Kosten neben der Bereitstellung der Incentives an – quasi eine Gebühr, die an Klout entrichtet werden muss?

Herzlichen Dank für Ihr Feedback.

Dennis Virkus

Oktober 2, 2013 @ 17:58

Reply

Hallo Lisa,

Preise kann ich dir keine nennen, aber Klout wird mit Sicherheit Kosten dafür berechnen.

Vielleicht weiß Felix mehr, er wird bestimmt am Freitag etwas dazu sagen.

Schönen Feiertag

Dennis

Felix Schlepper

Oktober 7, 2013 @ 12:07

Reply

Hallo Lisa,

über Kosten für eine Perk-Kampagne habe ich leider auch keinerlei Informationen… sollte ich da etwas herausfinden, sage ich dir gern Bescheid.

Viele Grüße,
Felix

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Autor

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Mit Wurzeln im Event- und Kulturmanagement startet Felix 2013 bei crowdmedia. Als Berater koordiniert er die Onlinemarketing Aktivitäten seiner Kunden von der Adwords Schaltung bis zum Community Management auf Facebook.seinen Master-Abschluss in "Kultur- und Medienmanagement" an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

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