Meinung

Wie kriegen wir euch aus den Komfortzonen, liebe Unternehmen?

von am 12. Mai 2014 verfasst


Ich mag das Internet. Vor allem weil ich an seine Potentiale glaube, Menschen zu verbinden. Um diese Potentiale abzuschöpfen, müssen wir die Wirkweisen von Kommunikation im frühen 21. Jahrhundert begreifen und akzeptieren. Das gilt auch und gerade für Firmen. Oft fällt es gerade denen schwer. Vielleicht weil sie erst seit kurzem üben, sich mit Menschen in einer menschlichen Stimme zu unterhalten. Vielleicht weil sie das nicht immer freiwillig tun, sondern das Gefühl haben es tun zu müssen. Paradigmenwechsel der nicht aus Erkenntnis, sondern aus Zwang resultiert, verursacht mehr und stärkeren Schmerz. Jeder Berater weiß, dass Schmerz etwas ist, das verkaufen hilft. Daher wird das Lied des digitalen Wandels gesungen. Immer auch mit einer Spur Angstmacherei. Das ist schade, denn es ist nicht sachdienlich. Warum versuchen wir nicht einen anderen Weg? Nicht Angst machen, dass es ums überleben geht. Nicht sagen, dass man muss weil alle müssen. Sondern die Potentiale aufzeigen. Da draußen im Internet passiert die Magie, nicht in den Komfortzonen eurer Unternehmen. Liebe Hochbahn, vielleicht könnt ihr mir dafür als Beispiel dienen.

Wandel führt manchmal auf und über schmerzhafte und ungeliebte Wege

Vor drei Wochen hatte ich eine Diskussion mit der Hochbahn auf twitter über die Sinnhaftigkeit von aufgezwungenen Hashtags. Im Rahmen des „das Internet besser machen wollen“ finde ich solche Diskussionen spannend und wichtig. Leider muss ich sagen, dass ich nicht klug vorgegangen bin. Am Ende wurde es von vielen als Rant gedeutet, auch wenn das von mir nicht beabsichtigt war. Die Vertreter der Hochbahn und der VHH fühlten sich scheinbar in die Ecke gedrängt und in Erklärungsnot. Anders kann ich mir diesen Kommentar mit einem ausführlichen Exkurs zur Struktur des ÖPNV in HH und die resultierenden Herausforderungen nicht erklären. Ehrlich gesagt, der Kommentar verwirrte mich. Aus meiner Sicht gibt es nichts, wofür man sich als Unternehmensvertreter rechtfertigen müsste. Mein Artikel sollte eine Bestandsaufnahme sein und Unternehmen zeigen, dass es keinen Sinn macht. Das ist mir nicht gelungen.

Kann digitaler Wandel angstfrei vonstatten gehen?

Vermutlich nicht. Was Firmen, die Silos aufbrechen sollen, durchleben, ist ein kompletter Lifestyle Change. Ein erzwungener Lifestyle Change. Vielleicht vergleichbar mit einem Patienten, dem sein Arzt sagt „ändere deine Ernährung“, „mach mehr Sport“ – sonst machen Rücken oder Herz nicht mehr lange mit. Die intrinsche Motivation ist – wenn überhaupt vorhanden – nur von kurzer Dauer. Mittelfristig wird der Schweinhund wieder die Oberhand gewinnen. Selbst wenn als Risiko die eigene Gesundheit in die Waagschale geworfen wird.

Ist es eine bessere Alternative, Potentiale aufzuzeigen um Lust zu machen?

Für mich ist es zumindest einen Versuch wert. Daher, liebe Hochbahn (sorry, ihr müsst wieder als Case herhalten), habe ich meinen ursprünglichen Plan geändert. Mit den Ergebnissen des Monitorings, das ursprünglich beweisen sollte „Peeck hat Recht und ihr nicht“, werde ich anders umgehen. Ich will euch euren Job nicht erklären und eure Entscheidungen kritisieren. Das wäre arrogant und vermessen. Und vielleicht war ich das sogar – oder wirkte zumindest so auf euch. Kein Wunder, dass ich da keinen Erfolg hatte.
Daher möchte ich, in meinem zweiten Anlauf das Internet ein Stückchen besser zu machen,  liebe @hochbahn, die Potentiale der Nutzung des Hashtag #hvv aufzeigen. Und das lässt sich aus meiner Sicht ganz einfach mit wenigen Grafik aus meinem Monitoring der Hashtags #hhub und #hvv bei Twitter zeigen.

Monitoring der Hashtags #hhub und #hvv auf Twitter

Wie sah das Setup hinter diesen Grafiken aus? Ich habe in meinem Monitoring UMT Delta auf Deutsch nur im Kanal Microblogs (~100% twitter) nach den Hashtags (also wirklich mit „#“ davor im Suchagenten) #hvv und #hhub gesucht. In zwei getrennten Suchagenten, damit ich die Kurven gegeneinander halten und vergleichen kann.

Meine Daten für die Grafiken kommen aus der Zeit vom 03.04. 2014 (erster Tag vor dem #hhub Tweet von euch) bis zum 26.04. 2014 (letzter vollständiger Tag bevor ich angefangen habe den Artikel zu schreiben).

Das Gesprächsvolumen: #hvv vs. #hhub

hvv-monitoring-vergleich-hits
Recht einfach zu deuten und absolut klar in der Aussage: der Hashtag #hhub hat sich nicht durchgesetzt und wird fast exklusiv vom Account der Hochbahn genutzt. Wenn von anderen Usern aufgenommen, dann eher in der Diskussion der Sinnhaftigkeit des Hashtags.

Share of Voice und Zeitverlauf: #hvv vs. #hhub

hvv-monitoring-share-of-voice
Um es noch mal in Relation zu bringen: der Share of Voice des hashtags #hvv liegt bei ca. 90%. Klartext: wir werfen die gesamten Tweets #hvv und #hhub zusammen und sehen dabei, dass 90% der Diskussionen mit #hvv verschlagwortet sind.

Verbreitungsanalyse: so sehen Gespräche aus

hvv-monitoring-verbreitungsanalyse
Das deutlichste Argument ist aus meiner Sicht in der Verbreitungsanalyse zu sehen. Die Verbreitungsanalyse zeigt uns mehrere Dinge:

  1.  Wie einzelne Fundstücke im Monitoring mit einander verlinkt sind. Bei Monitoring von twitter sind das Re-Tweets
  2. auch die Summe der Treffer nach im Zeitverlauf, also den Puls des Themas und nicht nur die reine Summe der Treffer

Kurz gefasst: unter dem Hashtag #hvv findet echte Diskussion statt. Wie schon in den anderen Ansichten zu sehen mit deutlich mehr Treffern aber eben auch mit Austausch untereinander.

Und das ist für mich das ausschlaggebende Argument dafür, warum eine Nutzung des Hashtags #hvv sinnvoll wäre. Es ist die Chance an Gesprächen teilzunehmen statt nur zu senden und auf eigene Reichweiten zu hoffen.

Bange machen gilt nicht. Lust machen gilt es.

Ich war vielleicht arrogant in meinem ersten Versuch. Das führte zu Abwehrhaltung. Es ist eure Entscheidung liebe Hochbahn, ob #hvv oder #hhub. Und es ist euer gutes Recht diese Entscheidung zu treffen. Aber: wenn ihr mit den Menschen da draußen reden und mit einer menschlichen Stimme sprechen wollt, dann ist da viel Potential auf der sprichwörtlichen Straße. Da draußen im Internet. Außerhalb der Komfortzone. Wo die Magie passiert.

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Sven-Olaf Peeck

Geschäftsführung

Er mag das Internet und digitales Marketing. Er glaubt daran, dass alles messbar gemacht werden kann und auch sollte. Entsprechend schreibt Sven oft über Messbarkeit oder teilt seine Bewertung von Hypes. Svens Hoffnung: dass Firmen durch mehr Wissen weniger Quatsch im digitalen Marketing machen. Folge ihm auf LinkedIn oder Twitter für mehr Infos und auf instagram für Bilder mit dem HDR Regler am Anschlag .

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