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MeBucksta, Netflix und Webfail – über Nacht berühmt

von am 26. Januar 2016 verfasst

Letzte Woche machte ein Dialog die ganz große Runde durch das deutschsprachige Internet. Ein bis dahin recht unauffälliger Twitter-User und der Streamingdienst Netflix tauschten sich über mögliche Serienangebote aus, der Dialog glitt aber in seinem Verlauf zusehends in sehr Persönliches ab. Was folgte, war eine Rundreise durch mehrere große (Online-)Medien wie werben&verkaufen, finanzen.net, RP Online, chip.de und natürlich die Mutter aller lustigen Dialog-Screenshots webfail. Irgendwann wurde dann auch die Gala mit in das Gespräch gezogen. Soweit, so normal.

Nach einem weiteren Artikel in der werben&verkaufen war ich allerdings ein wenig in meiner Berufsehre verletzt. Titel: „Wir würden von so einer Form des Marketings abraten“. Gut, wenn man den Artikel ganz liest, ist die Überschrift grob aus dem Zusammenhang gerissen. Gemeint war „Sollte dieser Dialog gekauft/inszeniert gewesen sein, würden wir (als elbkind) unseren Kunden von so einer Form des Marketings abraten“. Allerdings gibt es überhaupt keinen Hinweis darauf, dass der Dialog gekauft gewesen sein könnte. Da hatten einfach zwei Menschen an einem Samstagabend gute Laune – Ende der Geschichte. Schade, dass so eine Perle des Community Managements mit einem so unterdurchschnittlichem Artikel in der w&v abgetan wird. Man hätte sich wenigstens die Mühe machen können, den Verfasser des Ausgangstweets zu kontaktieren und sich als Zeitung, die man ja sein will, ein Bild von Bucksen machen können. Haben sie nicht, deswegen mache ich das jetzt und habe Stefan aka MeBucksta (via Twitter) einfach mal angehauen. Er stand schon nach kurzer Bedenkzeit Rede und Antwort.

Hallo, Bucksen. Magst du mir kurz etwas zu deiner Person sagen?

Mein Name ist Stefan, ich bin 32 Jahre alt, komme aus Köln und bin, wohl jetzt zur Überraschung mancher, nicht in der Onlinemarketingbranche beschäftigt. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt als Sachbearbeiter für eine Assistance.

Hast du sonst etwas mit Netflix/oder der Onlinemarketingbranche zu tun?

Bis auf die Einzugsermächtigung für meinen Monatsbeitrag habe ich gar nichts mit dem Unternehmen Netflix zu tun. Ich habe auch seit dem Dialog nichts mit Netflix zu tun. Wir standen bis zu dem Zeitpunkt nie in Kontakt.

War die Situation, wie du sie in deinem Ausgangstweet beschrieben hast, wirklich so: Langeweile und keine Ahnung, was du gucken sollst?

Es war Samstagabend gegen 21:00 Uhr. Ich saß in der WG-Küche und hatte mich auf den freien Sonntag gefreut. Nach einer Nachtschichtwoche und am Samstagmorgen Frühschicht war ich eigentlich nur reif für die Couch und wollte meine Ruhe haben. Zu dem Zeitpunkt waren schon ein paar Feierabendkölsch geflossen und ich muss gestehen, ich hatte bis dato schon fast alles gesehen, was mich auf Netflix interessiert. Dann kam ich halt auf die Idee mal nachzufragen, was es so Neues gibt. Mit ner Antwort hatte ich allerdings nicht wirklich gerechnet. Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt.

Hat dich die Antwort von Netflix überrascht? Hast du dich gefreut, dass das Unternehmen dich offensichtlich ernst nimmt?

Hmm… überrascht hat mich, wenn ich ehrlich bin, erst die 3. Antwort. Als ich dann merkte, in welche Richtung dieses Gespräch abschweifen könnte, war von „ernst nehmen“ ja nicht mehr wirklich die Rede. Man merkte aber schon, dass es von beiden Seiten gerade irgendwie passt und sich jetzt etwas lustiges daraus ergeben könnte. Es schaukelte sich immer weiter hoch. Am Ende sind ja sogar noch ein paar Tweets untergegangen. Aber das ist auch eher sekundär.

Hast du so etwas schon einmal erlebt?

In der Form so noch nicht. Man kennt es ja als „Klassiker“ aus Filmen oder Serien, wenn sich Ehepaare mal in die Haare bekommen, oder hat es in gewissen Punkten auch schon mal selbst erlebt. Aber wie gesagt, in der Form ist mir das so noch nicht untergekommen.

Wann wurde dir klar, dass der Dialog offensichtlich so ungewöhnlich ist, dass andere Medien ihn berichtenswert fanden?

Ich glaube, das ging am Montag los, als der Alptraum eines jeden Twitternutzers eintrat, seine Tweets auf Facebook zu sehen. Webfail fing an, eine Version auf seiner Seite zu veröffentlichen. Allerdings war dort mein Name und mein Gesicht geschwärzt, was für viele auch gleich die ersten Vermutungen aufkommen ließ, dass das Gespräch gestellt gewesen sein müsste. Nach und nach teilten immer mehr Leute diesen Dialog. Später kamen dann auch noch unzensierte Versionen raus.

Wie du schon sagst, es haben nur einige deinen Namen geschwärzt: Findest du das richtig oder ist dir das egal?

Mein Name ist egal, die haben aber auch mein Gesicht geschwärzt! So hässlich bin ich nun auch nicht. Wenn ich ehrlich bin, ich hätte wahrscheinlich nur bei der Bildzeitung/Springerverlag damit Probleme gehabt, wenn mein Name nicht geschwärzt gewesen wäre.

Was hat in der Folge so richtig genervt?

Verlinkungen auf Facebook und Erwähnungen auf Twitter. Ich habe keine Ahnung, wie viele es waren, ich habe es nicht gezählt. Das war jedoch etwas, was mich massiv genervt hat. Es gab auch kurze Momente, in denen ich diesen Dialog bereut habe.

Wie fandest du das oben erwähnte Interview in der w&v?

Ich würde ja gerne wissen, wie Herr Rymar sein Interview im Nachhinein so fand. Ich zumindest hatte eine sehr lustige Mittagspause, als ich das Interview las. Er scheint sich nicht mal damit befasst zu haben, wer sich hinter meinem Account befindet. Die Theorie, es sei gesteuert gewesen, fand ich sehr amüsant teilweise aber auch etwas absurd. Ich persönlich finde es super, wenn sich Firmenaccounts auch mit den Kunden mal auseinandersetzen. Warum muss immer alles stocksteif und nach Schema-F sein? Netflix als Firma, oder die Agentur, die den Account betreut, hat aus meiner Sicht alles richtig gemacht.

Er feiert sich selbst in dem Interview über eine Werbung auf der Seite eines Künstlers ab, die laut Screenshot ganze 1154 Likes abgegriffen hat. Wenn das sein bester Marketing-Coup war, dann würde ich mich als Auftraggeber mal hinterfragen. Gerade in einer Zeit, wo Onlinemarketing sehr viel bewirken kann. Vielleicht war er auch einfach nur neidisch, ich weiß es nicht. Ich würde von so einer Form des Interviews abraten.

Welche Serie hast du denn nun eigentlich geguckt?

Gar keine, ich hatte da keine Zeit mehr für. Nachdem ich dann irgendwann ins Bett bin und am Tag darauf aufwachte, sah ich schon über 200 Notifications auf meinem Handydisplay. Da wurde mir dann so langsam klar, dass das kein normaler Sonntag werden wird. Zur Ruhe kam ich gegen Abend, allerdings habe ich dann Pittsburgh Steelers gegen Denver Broncos geschaut. Sorry, Netflix, nicht traurig sein.

Bist du froh, dass es nun vorbei ist?

Ja. bin ich tatsächlich. Ich kann wieder den üblichen Quatsch twittern, den ich sonst auch gemacht habe. Nur noch vereinzelte Retweets, Erwähnungen. Meinen Freunden auf Facebook habe ich schon vorzeitig die Luft genommen und sie darum gebeten, aufzuhören mich zu verlinken. Da muss ich mich auch bedanken, das hat hervorragend geklappt. Hoffentlich erwarten die neuen Follower, die nach der Aktion dazu kamen, jetzt nicht jedes Wochenende so ein Feuerwerk, denn dann muss ich diese nämlich ernsthaft enttäuschen.

Danke für deine Zeit.

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Als Channel und Content Experte ist Wilko ist mit seinen journalistischen Wurzeln unser Mann, wenn es um redaktionelle Arbeit und redaktionelle Prozesse geht.Sein Wissen setzt er in Kundenprojekten um und teilt es als Seminarleiter mit den Teilnehmern unserer Social Media und Content Marketing Seminare.

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