Meinung

Nein, Facebook leitet nicht sein Ende ein.

von am 31. März 2015 verfasst


Natürlich macht Facebook nicht zu.

Facebook geht es gut wie nie. Facebook ist aber eben nicht mehr nur Facebook – und das scheint in vielen Medien noch nicht angekommen zu sein. Es ist nämlich auch Instagram. Und Whatsapp. Die ganzen Teenager, die „Facebook verlassen“, verlassen es gar nicht – sie gehen nur auf eine andere Plattform im gleichen Haus, sie gehen zu Instagram.

Aber so etwas lässt sich schlecht in eine Schlagzeile pressen, deswegen wird laufend und seit Jahren das Ende von Facebook herbeiphantasiert. Ich habe mich daran gewöhnt, Journalisten scheint die Ausdifferenzierung des Konzern allerdings weiter verborgen geblieben zu sein.

Facebook ist eine Marketingplattform und damit eine Werbeplattform. Genau wie Google. Das Suchmaschinenangebot gibt es nur, weil es sich mit Werbung monetarisieren lässt.
Das soziale an Facebook funktioniert nur, weil es sich über Werbung refinanzieren lässt. Man kann über Facebook sagen was man will, dass der Börsenkonzern altruistisch handelt, gehört nicht dazu.

Kostenpflichtig? Will niemand.

Jedes (!) kostenpflichtige – weil werbefreie – soziale Netzwerk, das sich als Alternative zu Facebook angeboten hat, ist über eine open beta-Phase nicht hinausgekommen.
Die Leute wollen das nicht, sie wollen nichts im Internet bezahlen. Sie wollen, dass anonyme Firmen ihre individuelle Mitgliedschaft subventionieren und nehmen dafür den Kontrollverlust über ihre Daten in Kauf. Ich sage das nicht, weil ich das gut finde oder weil ich es unabänderlich halte. Ich stelle das nur fest.

Schon vor etwa 12 Monaten war aus Kreisen der Facebookmitarbeiter zu hören, dass das Netzwerk nur unverschämtes Glück hatte, dass über zehn Jahre lang der „all-in-one“-Service von den Usern gewünscht war. Gemeint ist damit die Integration von Netzwerk, Newsstream, Chat, Fototausch, Eventplanung, einigen kleinen Spielen und Gruppenaktivitäten in einer einzigen App.
Niemand bei Facebook hat sich der Illusion hingegeben, dass das immer so weitergeht. Mit Abwanderung von Usern muss man immer rechnen.

Durch intelligente Zukäufe hat sich Facebook früh dieser möglichen Entwicklung der Abwanderung strategisch gestellt: Mit Instagram erwarb man ein hippes Bildernetzwerk, mit WhatsApp einen angesagten Messenger. Zum Schluss kam ein externes Werbenetzwerk namens Atlas dazu. Von den vielen „kleinen“ und nicht öffentlichkeitswirksamen Zukäufen im Bereich künstliche Intelligenz und Robotertechnik möchte ich an dieser Stelle gar nicht reden.

Warum erzähle ich das alles? Ich brauche diese Herleitung, um den aufmerksamkeitsheischenden Schlagzeilen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Alles, was Facebook tut, ist den Schritt von einer strategischen hin zu einer tatsächlich operativen Ausdifferenzierung zu gehen.
Das ist klug und im Sinne der Aktionäre recht – wenn auch nicht billig.

Business Development als Pflicht.

Von jedem Konzern wird erwartet, dass er seine Geschäft so entwickelt, dass sich in einer verändernden Gesellschaft die Marke noch seine Berechtigung hat. Automarken beispielsweise leisten sich Spitzenteams, die darüber nachdenken, wie man in einer Welt ohne Innenstadtverkehr als Autobauer überleben kann. Das finden, soweit jedenfalls mein Eindruck, alle total toll und progressiv.

Facebook macht das Gleiche – das scheint aber irgendwie schlecht zu sein. Keine Ahnung, woran das in der deutschen Presselandschaft immer liegt, dass Facebook nichts richtig machen kann. Vielleicht an der Ankündigung, dass Facebook bald auch als Verlag und Newsportal tätig werden möchte? Das ist eine Ausdifferenzierung, die im Land des Qualitätsjournalismus und des Leistungsschutzrechts niemand hören will. Menschen, die Aktien von Facebook besitzen, sollten sich allerdings freuen: eine Plattform mehr, auf die man Werbung spielen kann.

Werbung hält alles am Leben.

Und nichts anderes als Werbeschaltungen hält den ganzen Organismus am Leben. Facebook ist eine Internetseite, die es allen (Privatpersonen und Unternehmen) erlaubt hat, draufrumzukritzeln. Wenn die Plattform sich entschließen sollte, diese Option auf der Internetseite www.facebook.com nicht mehr anzubieten, ist es das Gute Recht eines Konzerns, der sein Geld lieber mit 12 verschiedenen Apps machen möchte. Das macht Facebook aber nur, wenn der Druck der Stakeholder, Dividende zu liefern mit der Bereitschaft der Menschen, für jede soziale Aktivität eine eigene App zu benutzen, einhergeht.

Liebe Firmen, hört bitte damit auf, auf Facebook als Kanal zu schimpfen. Macht euch lieber Gedanken darüber, in welcher der vielen Angebote ihr zukünftig vorkommen wollt und richtet eure Strategie danach aus. Auch ihr könnt die Menschen nicht dazu zwingen, bestimmte Kanäle zu nutzen und bestimmte nicht. Die Masse wird euch treiben, wie damals bei der „all-in-one“-Lösung.

Der Vollständigkeit halber habe ich hier noch einige Artikel über die Konferenz als Blogroll zusammengestellt.

Thomas Hutter – technische Neuerungen
Thomas Hutter – Neuerungen in der Werbeschaltung 
Spiegel online – Facebook baut seinen Messenger aus 
t3n – Facebook läutet das Endes seines Social Network ein 
Süddeutsche Zeitung – Facebook ist tot und mächtig wie nie 

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Wilko Steinhagen

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Wilko gehörte zu den ersten Kollegen bei crowdmedia. Im Sommer 2011 trafen wir uns nach unserem Umzug in einer Büro-Gemeinschaft auf der Reeperbahn. Schnell wurde er aus einer lockeren Kooperation mehr und Wilko der erste Redaktionsleiter bei crowdmedia. Alles was Blog und Newsletter bei uns angeht, steht auf einer Basis, die Wilko gelegt hat. Auch wenn das Abenteuer Reeperbahn nach nur eineinhalb Jahren endete, blieb Wilko uns bis Sommer 2016 als Kollege erhalten. Dann zog es ihn samt seiner Familie nach Schleswig, wo er als Online-Marketing-Manager bei einem mittelständischen Unternehmen tätig ist.

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