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Saturn Weihnachtsspot: „Fühl was, Du Arsch!“

von am 27. November 2017 verfasst


Edeka letztes Jahr, Saturn u. a. dieses Jahr: Die platte Botschaft „Kauf bitte was bei mir“ zum Konsum-Fest Weihnachten wird mit Hau-drauf-Methoden emotional aufgeladen, auf dass dem/der Konsument(in) nichts anderes übrig bleibt als: kaufen.

Einsamkeit und der Abbruch bzw. Unterbrechung von Familienbindungen ist bei den genannten Spots das verbindende Element. Bei Saturn ist Tochter (?) Anna schockiert von dem Zustand ihres demenzkranken und im Seniorenheim vor sich hin vegetierenden Angehörigen, er weiß ihren Namen nicht mehr. Mithilfe einer Virtual Reality Brille, die einen Blick in die Vergangenheit und in sein wunderbares Mid-Century-Zuhause ermöglicht, kann sie den Kranken erreichen und er erinnert schließlich auch ihren Namen. Weinend fallen sich die beiden um den Hals, der Pfleger – als Voyeur der Szene – lächelt still auf dem Flur.

Die Macher des Spots ziehen alle Register: Großaufnahme der verzweifelten Tochter, kühl ausgeleuchtete Altenheim-Flure, leicht zerzauster Vater mit großem Kinderblick. Die Erinnerungen dagegen im gelben Sonnenschein, Kinderlachen und ein Schmetterling. Der erst besorgte und dann gerührte Pfleger, der als Stellvertreter des Zuschauers dem Dümmsten mitteilt, welches Gefühl hier angebracht ist.

Worst case: Absatz von VR Brillen steigt, weil jemand den Spot wörtlich nimmt.

Was wahrscheinlicher ist: zu Tränen gerührte Konsumenten, die mal „was mit Tiefgang“ gesehen haben, die nach gelungener Triebabfuhr und mit leichtem Schaudern ihren Weihnachtsvorbereitungen nachgehen – und einkaufen.

Bitte nicht falsch verstehen, Werbung darf lustig sein, Werbung darf unterhaltsam sein, Werbung darf auch emotional sein, Werbung darf berühren. Aber Werbung bleibt Werbung und das Thema Demenz eignet sich nicht dafür, dass ein Elektronik-Fachmarkt drei elektrische Zahnbürsten und vier Playstation mehr verkauft dieses Jahr. Auch mich langweilt eine Werbung, die mich lediglich auf „die neue Rezeptur“ oder „fleckenreine Ergebnisse“ hinweist, aber so verstehe ich die Herausforderung an die Kreativen der Branche: Bringt mich zum Träumen, erzählt mir eine gute Geschichte, liefert mir was drumherum. Aber sucht Euch nicht ein Schicksal mit der größten Tragik und verkauft mich für blöd, indem Ihr auf die natürliche Klaviatur menschlicher Emotionen einprügelt.

What’s next: Es ist Winter, Mensch will von der Brücke springen, weil im letzten Jahr, die Familie verunglückt ist (Rückblende: brennendes Auto, Schreie, Gaffer) und der Hund Krebs hatte (Rückblende: jaulen, fiepen, Hundefriedhof) – aber letztendlich macht er sich doch lieber eine Tütensuppe auf und denkt „Wärme kommt von Innen“ – #waermevoninnen?  (– Diese Idee kann man mir abkaufen.)

Ich kauf‘ doch was, aber nicht so.

 

 

Kollegin Mirjam sieht das alles naturgetreu etwas anders. Hier geht es zum Text.

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Kim-Jasmin Kirchoff

Projektmanagerin

Auf unserem Blog widmet sich Kim vor allem Themen der Organisation, Unternehmensentwicklung, Wertschöpfung und des Lead Managements. Dabei nimmt sie gern eine kritische Perspektive ein und betrachtet die Dinge aus einem neuen Blickwinkel.

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