Meinung

Second Screen ist Queen

von am 25. Juli 2013 verfasst


Inzwischen sind wir meiner Meinung nach in der dritten Phase des zweiten Bildschirms angelangt. Die erste Phase war das Aufkommen des Phänomens an sich, die zweite der schiefgegangene Versuch der Sendeanstalten, den Traffic (zu Vermarktungszwecken) auf ihre Homepages zu hieven. In Phase drei sieht man nun, wie einige Sender durch exzellentes Community Management erfolgreich Kundenbindung und Branding betreiben.

Ursächlich für diesen Artikel war ein Tool, welches ich bereits vor einigen Wochen entdeckt habe und seitdem beobachte. Die Rede ist von serienradar.de. Offiziell noch in der betaphase gibt es allerdings schon einen ganz guten Eindruck dessen, was ein Quotenmeter des Internets leisten könnte. Grob gesagt misst das Serienradar, wie oft welche Sendung auf Twitter erwähnt wurde. Soviel zum rein Quantitativen. Qualitativ will das Tool, das lese ich quasi zwischen den Zeilen, Trends erkennen können. Wenn von euch einer mitliest, liebes Serienradar: Macht mich doch mal zum betatester – vielleicht bin ich dann schlauer! 🙂

In den letzten Tagen hat sich in Sachen Second Screen viel getan, ich habe einige interessante Gedanken gelesen, so dass der Artikel über die reine Toolbeschreibung hinausgewachsen ist. Wir beobachten das Themenfeld „Second Screen“ schon länger und behandeln es ab und zu im Blog. Entweder, um spannende Apps vorzustellen oder, auf einer höheren Ebene, als Monitoringthema.

Second Screen Apps spielen keine Rolle mehr.

Das es keinen Sinn mehr macht, irgendwelche Apps oder sonstwas zu bauen, die einem die Teilnahme am Second Screen-Zirkus erleichtern, behauptet dieses Fundstück. Die meiner Meinung nach schlüssige Konklusion eines langen Artikel lautet: „But finally, and that may be the most important point: Get out of the way.“ In meinen Worten: Nervt uns nicht mit weiteren Kanälen, auf denen wir chatten sollen, wir haben Facebook und Twitter.

Als unterstützendes Indiz habe ich Mittwoch Abend diesen Tweet gelesen:

2ndScreen

 

Ich habe mich dort nicht angemeldet, die Zahl der gerade aktiven User ist aber oben rechts eingeblendet. Bei meinem besuch dort waren es 16 Menschen. Es ist auch egal, ob es 18, 50 oder 1000 Menschen sind, die sich dort angemeldet haben. Fakt ist: Wenn dort bei Stichproben zu ganz normalen Tageszeiten nicht einmal 20 Leute sind, spielt connect.prosieben.de keine Rolle. Nirgends. Und das, obwohl die URL prominent auf den sendereigenen Werbeplätzen beworben wurde. Ich komme zurück auf meine These: Phase zwei hat ProSieben hinter sich. Dafür, und das muss ich neidlos anerkennen, haben die ein bombiges Twitter-Team, dessen Protagonisten ich zu gerne mal kennenlernen würde. Bestimmt, humorvoll, zielgruppengerecht – auf die lasse ich nichts kommen. Andersherum werden in den Sendungen brav #Hashtags eingeblendet, Tweets vorgelesen usw. Sie sind insgesamt also gut in Phase drei angekommen.

„Das Internet ist ein spaßiges Ding“

Wenig anders sieht es bei den öffentlich-rechtlichen aus. Lobend hervorzuheben ist hier der Twitteraccount vom ZDF. Bemerkenswert ist allein schon, WIE das ZDF zu seinem Account kam. Inzwischen ist eine erstaunliche Vielfalt zu beobachten: ZDFneo, ZDFinfo, ZDFreporter – alle twittern fleißig. Und profitieren durch Retweets voneinander. Die absolute Referenz in Sachen Echtzeitnörgelei auf Twitter ist und bleibt bis jetzt der #Tatort von der ARD. Die haben bis zu 54.000 Besuche pro Sendung auf ihrem Newsroom, schreibt die ZEIT. Sie haben haben es immerhin geschafft, traffic auf die eigene Seite umzulenken, wissen aber nichts damit anzufangen. Ein Großteil der Kommunikation findet dennoch in den bekannten Kanälen statt und nicht unter dem Dach der digitalen Angebote der ARD. Dass auch hier der Tatort-eigene Twitteraccount durch Qualität besticht, erwähne ich nur am Rande.

Recht skurril muten auf der anderen Seite dann aber Versuche wie „Teletwitter“ an. Mir erschließt sich der Nutzen überhaupt nicht – vielleicht haben Nicht-TwitterInnen da ja eine andere Meinung zu. Ich prophezeie: Das wird sich nicht durchsetzen.

Als jemand, der den Trend schon lange beobachtet, würde ich allen Sendeanstalten dringend raten, sich zu überlegen, was man mit den interessierten, kritischen aber begeisterungsfähigen Menschen, die sich digital exponieren, zu tun gedenkt. Es müssen Instrumente her, die das Phänomen „Second Screen“ messen und bewerten – vielleicht wird serienradar.de das irgendwann können. Denn eines scheint mir sicher: Die Bedeutung der Einschaltquote wird sinken.

Dafür wird die Bedeutung von Twitter als Werbeplattform steigen. In den USA beispielsweise können fernsehwerbende auf Twitter nachvollzehen, wie die TV-Spots ankommen.

Update 12:51 Uhr: Ich habe die in den Kommentaren erwähnte Studie gegoogelt recherchiert und verlinke sie der Vollständigkeit halber. Und ja, Facebook ist nicht so irrelevant, wie es in meinem Artikel scheinen mag.

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Wilko Steinhagen

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Wilko gehörte zu den ersten Kollegen bei crowdmedia. Im Sommer 2011 trafen wir uns nach unserem Umzug in einer Büro-Gemeinschaft auf der Reeperbahn. Schnell wurde er aus einer lockeren Kooperation mehr und Wilko der erste Redaktionsleiter bei crowdmedia. Alles was Blog und Newsletter bei uns angeht, steht auf einer Basis, die Wilko gelegt hat. Auch wenn das Abenteuer Reeperbahn nach nur eineinhalb Jahren endete, blieb Wilko uns bis Sommer 2016 als Kollege erhalten. Dann zog es ihn samt seiner Familie nach Schleswig, wo er als Online-Marketing-Manager bei einem mittelständischen Unternehmen tätig ist.

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