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Anti Wendler Facebook Seite: Fans gekauft?

von Benjamin am 21. Oktober 2012 verfasst


Scheinbar erleichtert vermeldet die offizielle Wendler-Page gerade, dass die Anti-Wendler Fans ja nur gekauft seien und beruft sich dabei auf einen Artikel bei Modulopfer. Jener Artikel wiederum vermeldet, dass er bei „fandealer“, einer Plattform für Fankauf, das Angebot eines Fankaufs der „Anti-Wendler“-Fanpage gesehen hat und deutet verklausuliert an, dass die Kollegen von Axel Springer oder RTL dahinter stecken könnten. Gerade solche Spekulationen lassen natürlich die Diskussion weiter aufkochen und sowohl Herr Wendler als auch seine Gegner feiern gerade eine Edge-Rank Party par excellence.

Aus meiner Sicht ist die Antwort auf folgende Frage bezüglich des Fankaufs für die Anti-Wendler Fanpage ganz wichtig:

Wer sollte es initiieren, wer hätte was davon und selbst wenn Fans (zu-)gekauft wurden: Wie sieht es mit dem Rest der bestehenden Fans aus?

Meine Grundannahme ist: Wenn alle Fans gekauft worden sind, bedeutet das eine geringe Interaktion, weil man es mit Karteileichen zu tun hat.

Gucken wir uns das Thema doch mal Stück für Stück an.

Das Wachstum der Anti-Wendler Fanpage auf Facebook

Fankauf gibt es ja in mehr oder weniger in zwei Darreichungsformen (na gut, wenn man Facebook Ads mitzählt, drei). Einerseits den Ansatz von fandealer, wo sich Leute anmelden und dann für ihr „Fan werden“ Geld bekommen. Oder man geht einen anderen Weg und fährt das Modell „fanslave“. Hier hat man es mit einer Mischung aus Fakeprofilen und incentivierten Aktionen, z.B. aus Online Games heraus, zu tun.

Bei Fandealer habe ich selber keine eigene Erfahrung, würde aber mal bezweifeln, dass die es bei 55.000 registrierten Usern (laut Website) hinkriegen, mehr als 5.000 Fans adhoc zu liefern. Selbst für so eine heißlaufende Aktion wie die Anti-Wendler Fanpage nicht. Selbst wenn sie ALLE 55.000 ins Rennen würfen, erklärt dies gerade mal etwa 15-20% der Fans.

Bei Fakeprofilen oder (Online-Game) incentivierten Aktionen haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Wachstum signifikant unnatürlich ist, beispielsweise gerne mal 10.000 Fans auf einen Schlag. Es ist grundsätzlich leicht erkennbar.

Das sieht bei der hier behandelten Fanpage anders aus, es ist ein eher organisches Wachstum und an den Alltagsrhythmus gekoppelt. Peaks enstehen durch externe Impulse (Stichwort 2nd Screen, wenn im Boulevard TV berichtet wird oder bild.de einen Link setzt). In Frage kämen die „News“ um 18.00 bei Explosiv oder um 20.00 durch irgendwelche Aktions News auf RTL II.

Ein weiteres Indiz ist für mich das abfallende Wachstum seit den ersten Tagen. Das zeigt aus meiner Sicht klar, dass die 1.000.000 Fans nicht geknackt werden.

Wachstum pro Stunde (Quelle: Facebook Graph)

So hier also Fazit eins meines Indizienprozesses: Kein Fankauf sondern ein vielmehr durch „Offline-Medien“ getriebenes organisches Wachstum.

Wie sieht es mit der Aktivität der Anti-Wendler Fans aus?

Das Fananzahl alleine kein Erfolg ist, sollte sich ja hoffentlich endgültig rumgesprochen haben. Also werfen wir doch mal einen Blick auf die Aktivitäten der Fans. Was treiben die den ganzen Tag? Gekaufte Fans dürften ja kein Interesse an den Inhalten und Posts der Fanpage haben – ihr Daseinszweck ist die bloße Präsenz im Fancounter.

Das sieht hier anders aus: Es sind (Messung am 20.10. 2012 gegen 21.00 Uhr) 99.759 User aktiv gewesen (das müssen keine Fans gewesen sein, Aktivität können auch Menschen auslösen, die nicht „Gefällt mir“ geklickt haben). Aktiv heißt hierbei, dass sie mindestens einen Post, einen Kommentar oder eine „Gefällt mir“-Angabe auf facebook.com/Anti-Wendler abgeben haben. So setzt es sich genau zusammen:

Kurze Erläuterung wie das zu lesen ist: 12.074 Posts durch User auf der Anti-Wendler Fanpage. Diese wurden von 7.821 verschiedenen Usern verursacht. es verteilen sich also durchschnittlich 1,54 Posts auf einen einzelnen User.

Die knapp 40.000 Kommentare kamen von etwas über 22.000 Usern, also nicht ganz 2 Kommentare pro aktiven User.

Das müssen jetzt nicht alles die Fans der Seite sein, zeigt aber, dass hier echte Interaktion stattfindet.

Ein Blick auf die Power User von Anti-Wendler

Aus meiner Sicht immer das Spannendste: Wer sind die aktivsten User? Auch hier habe ich eine Übersicht für euch. Da gehen wir so vor, dass wir für jede Aktion (Post, Kommentar, Like) Punkte an die User vergeben. Hier seht ihr die 20 aktivsten User und was sie so gemacht haben.

Aktivste User Quelle: eigenes Scoring auf Basis facebook Graph

Unser Top-User hat alleine 609 mal auf der Fanpage interagiert: 36 Posts, 54 Kommentare und 314 „Gefällt mir“-Angaben auf Posts und 205 auf Kommentare. Und wir reden hier von einer Seite, die noch keine Woche alt ist!

Da steckt schon eine Menge Energie in dem Thema. Wenn man sich die Leute mal ansieht, sind das scheinbar KEINE Wendler-Jünger, die ihren Liebling verteidigen wollen – sondern Krawall-Touristen und total genervte User.

Mein (Zwischen-) Fazit zu Anti-Wendler

Fankauf halte ich für nicht wahrscheinlich. Auch wenn es diese Screenshots bei Modulopfer gibt. Dafür ist da auf dem Thema „zuviel Musik drauf“ (man möge mir das Wortspiel nachsehen), zuviel User-Interaktion. Dazu sieht das Wachstum außerdem sehr organisch aus.

Jetzt gibt es also wieder ein Beispiel mehr, dass es uns auf Seminaren und in Workshops schwer macht, die Angst vor Social Media zu nehmen. Für mich zeigt sich hier allerdings ganz klar, dass Sascha Lobo mit seiner Guideline zu Shitstorms den Punkt super trifft: es ist ein Medienphänomen (der externe Treiber hier Berichterstattung in RTL und Bild). Das Management von Wendler hätte die Essenz der Kritik analysieren und sich ehrlich die Frage stellen müssen: Was ist dran? Woher kommt dieses offensichtliche Unwohlsein gegenüber einer Person des öffentlichen Lebens?

Was bleibt? Nichts. Dieses Phänomen in den nächsten Tagen zu Ende gehen. Das Interesse der Leser wird abnehmen und damit werden sich auch die Medien anderen Themen zuwenden.

Benjamin Grabbe

Extern

Ben ist passionierter a cappella Musiker, das prägt natürlich auch seinen Blick auf Social Media. Wieso das so ist, weiß nur Sven, denn von ihm stammt dieser Satz;-). Im Job ist er immer nah am Kunden und berichtet daher über Tools und Erfahrungen.

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