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DMWHH: Mehr Frauen auf die Bühnen!

von Sven-Olaf am 29. August 2013 verfasst


Ein Thema, das für mich eigentlich als „fremdes Elend“ gelten könnte, welches ich seit der re:publica und nicht zuletzt wegen der engen Zusammenarbeit mit Svenja spannend finde. Also ab zu den DigiWomen (wir sind ja schlieβlich Fördermitglied). Und da war es dann so, wie ich es hätte erwarten können (wenn ich denn vorher länger drüber nachgedacht hätte): Dort herrschte eine gefühlte 99prozentige Frauenquote. Rechnerisch waren es vermutlich eher 80 – 90%, aber lassen wir die Rechenspielchen, zum Thema „Quote“ kommen wir noch früh und vermutlich auch oft genug, dachte ich mir.
Das Panel aus (ich fang mal in Leserichtung von links nach rechts an) Wolfgang Lünenburger-Reidenbach, Nina Galla, Regina Mehler, Verena Gründel, Philipp Westermeyer und Moderatorin Katrin Klemm wusste unverkrampft über ihre Sicht der Dinge Auskunft zu geben.

1. Diversity ist nicht nur Gender

Das wurde in der Diskussion recht früh als These eingeführt und allgemein anerkannt. Absolut richtig, ein gut besetztes Panel sollte den Status Quo abbilden und nicht nur auf die Meinungsführer abzielen. Neben M/W gehört für auch das Thema der Altersstruktur mit hinein. In der Marktforschung würde ich doch auch keine Drittklässler zu ihren Treibern beim Automobilkauf fragen (oder doch, weil sie die Eltern beeinflussen könnten?). Nun kann man vermerken, dass gerade bei den Digitalthemen jüngere Panels Sinn ergeben, da sie repräsentativ für die junge Branche sind. Allerdings denke ich auf der anderen Seite mal an die Salonlöwen mittleren Alters + x, die den BVDW leiten oder ich setze mir die Kundenbrille auf und sehe, wie das Konferenz- oder Seminarpublikum aussieht. Da sitzt dann ja auch schon mal der ein oder andere mit 50 oder mehr Jahren.
Und was diese erfahrenen Köpfe an Mehrwerten bringen können ist sowohl in der Unternehmenspraxis jeden Tag zu sehen, denn wie soll man Erfahrung lernen als durch erfahren und das dauert.

2. Nicht ausschließlich, aber: Ganz stark eine Frage der Charaktere

Wenig überraschend hat es sich auch am Donnerstag bewahrheitet, dass es Menschen gibt, die Rampensäue sind und die eben echt Bock drauf haben, vorne zu stehen. Wolfgang und Philipp gingen da offen und ehrlich mit um. Bei Ihnen war das schon immer so. Wie Regina berichtete, dass man es lernen kann und muss. Und dass dieser „Sprung ins kalte Wasser“ wohl genauso unumgänglich ist wie die Tatsache, dass man in diesem Punkt ständig an sich arbeiten muss. Als Tipp kam „nehmt euch Schauspielunterricht“. Finde ich sehr gut, den Tipp. Hab ich selber nicht gemacht, kenne aber genug Menschen die es erfolgreich eingesetzt haben, um dem Problem „schüchtern vor Menschen“ entgegenzuwirken. Die Gerüchteküche vermeldet, dass es in so mancher Anwaltskanzlei zum Onboarding der neuen Kollegen gehört, bevor sie das erste mal in den Gerichtssaal gelassen werden. Und ergänzend: Ich habe zwar kein Schauspiel-Training gemacht aber Michael Caine hat ein recht gutes Buch über seine Sicht geschrieben wie man guter Schauspieler wird, ist und bleibt. Und das ein oder andere Coaching für Dienst am Messestand hat da auch geholfen.
Und ob es denn wirklich Schauspiel sein muss, das sei mal dahingestellt. Der zweite Tipp, der gleich mehrmals kam, ist ganz ganz wichtig: Lasst euch helfen wenn es euch nicht in die Wiege gelegt worden ist, sich angstfrei zum Horst (bzw. zur Hilde) zu machen. Das kann man lernen. Man kann zumindest den (Angst-)Druck, den der Gedanke auslöst, minimieren.

Doch bei allem, was man lernen, einstudieren und üben kann, so wurde mir eine Sache klar: Es ist eine Frage des Typs und der Veranlagung. Die Menschen, die da vorne saßen, waren alle in verschiedenen Schattierungen extrovertiert. Von „ich komm damit klar, bin allerdings nervös“ bis zu „ich bin Rampensau, ich gehöre hier hin“ war alles dabei.
Anders sah es bei den Fragen aus dem Publikum aus, da merkte man schon (meine subjektive Wahrnehmung), dass es für die eine oder andere eine kleine Überwindung war selbst vor dieser kleinen Gruppe zu sprechen. Vielen hingegen fiel das gar nicht schwer, Ines war da für mich ein leuchtendes Beispiel dafür wie man Selbstbewusstsein in Auftreten und Aussage vereint.
Den Punkt, dass Frauen anders sind als Männer kann man da also scheinbar nicht gelten lassen. Lieber schließe ich mich der Sicht von Nina an, die in Charakteren statt in Geschlechter-Stereotypen denkt. Ich bin der Überzeugung, dass diese Sicht der Dinge uns weiterbringt als pauschale schwarz-weiß gemale.

Es ist eine Frage von Strukturen und ein langer Weg

Auch wenn der Abend ein spannender und kurzweiliger war, manchmal wurde er dann doch auch theoretisch. Ich hab zwar irgendwo ein Diplom rumliegen und halte mich auch für einigermaßen selbstreflektiert, würde mich aber nicht als Akademiker bezeichnen. Das klang mir stellenweise zu sehr nach Elfenbeinturm als nach Praxis und so sehe ich mich nicht. Die (knappen und absolut homöopathisch eingesetzten) Ausführungen von Wolfgang zu gesellschaftspolitischen Aspekten waren daher weniger meins. Da traf halt der Politiker in ihm auf den Punk in mir.
Ich bevorzuge weiterhin den pragmatischen Ansatz, den Svenja und andere vertreten. Slime nannten es mal „Red nicht, geh los“, Svenja nennt es einen „Call for papers, Call to action“. Find ich gut diesen Weg. Genau wie ich mir denke, dass wer nicht probiert den Status Quo zu ändern, das Recht verliert sich über ihn zu beschweren.
Dennoch verstehe ich bzw. wurde mir mal wieder bewusst gemacht, dass es auch die strukturellen Aspekte gibt. An denen gilt es zu arbeiten. Dass Speakerinnen dann einfach mal für die gleiche Keynote ein Jahr später nur 50% Honorar angeboten bekommen. Und da spricht kein Feminist, sondern das neoliberale Arschloch in mir: das ist nicht fair. Und das zu verbessern, dazu bedarf es wohl auch der politischen Denker.

Die Sinnhaftigkeit von Selbstverpflichtung

Es gibt also eine Referentenselbstverpflichtung. Bestimmt gut gemeint. Ich würde da gerne mal den Bogen zum Fußball spannen. Denn genau wie mit den lustigen Erklärungen, die verschiedene Fußballvereine zum Thema Sicherheit unterschreiben oder (wenn sie coole Berliner Säue sind) eben auch nicht – Papier ist geduldig. Wie es in dem sehr coolen Brettspiel Junta so schön auf einer Aktionskarte heißt: „Studenten verteilen Flugblätter. Auswirkungen keine“. Kurz gesagt – genau wie beim Fußball – wichtig ist auf’m Platz bzw. der Bühne.
Wenn sich eine reichweitenstarke Rampensau wie Wolfgang Lünenburger-Reidenbach selber dazu verpflichtet, dann ist das wirklich gut und war ja auch sehr aufmerksamkeitsstark. Ich glaube der Kollege Panzer ist heute noch leicht schweißgebadet, wenn er daran erinnert wird, das ihm das „Boys only“-Ding ja auch mal bei der Social Media Week passiert ist. Genauso wie Philipp bei den Rockstars. Und ich kenne Philipp lange genug, als dass ich mir ganz sicher bin, dass er – wie er selber ja sagte – maximal fahrlässig oder vielleicht auch einfach nur etwas blauäugig bei der Besetzung der Rockstars 2013 agiert hat. Aber das Philipp und Torsten sich jetzt aktiv mit dem Thema auseinandersetzen ist aus meiner Sicht mehr Wert als 10 cm Tintenlinie oder eine digitale Signatur unter einer Selbstverpflichtung. Und das zeigt ja auch das strukturelle Problem, dass wir haben: Jungs sind da selten sensibilisiert für. Aber wenn wir drauf angesprochen werden, dann hören wir zu und reagieren mit Sicherheit auch. Ob es denn wirklich noch viele der Dinosaurier gibt die Frauen wie z.B. das Zitat von Frank K. nahelegt – nur als Beiwerk sehen – ich mag es ja nicht glauben. Ich bin aber sicher, dass der Markt (und wieder neoliberaler Ansatz) das Thema klären kann. Denn wenn 50% der Teilnehmer Frauen sind und sich die nicht vertreten fühlen und auch der ein oder andere Mann eine breitere und gemischtere Perspektive fordert, dann dürfte das wohl Antwort genug auf die Frage sein „warum sollte ich mir extra Mühe geben Frauen zu suchen anstatt die Männer zu nehmen, die sich anbieten“.
Hier war der einzige Moment des Abends und der gut 90 Minuten Diskussion mit Panel und Publikum, wo es kurz in eine Richtung ging, die wirklich nicht cool war. Da wurde zitiert und auf Abwesenden rumgebasht. Eine große Lanze muss ich hier für Nina brechen, die unter Rampensäuen mit leiser aber sicherer Stimme ihre Meinung und ihr Bauchgefühl vertrat, wo andere (ich schließe mich ein) gerade pauschal die rhetorischen Keulen auf Abwesende einprasseln liessen. Das hat mich wirklich beeindruckt. Danke.

Mein Fazit: Nur gemischt ist Mehrwert

Panel und Moderation waren super. Warum? Weil es ein gemischtes Panel war. Und ich beziehe mich jetzt nicht auf die Quote Frauen & Männern sondern meine eher die Mischung der Funktionen und Blickwinkel. So war da mit Regina Mehler jemand, der Speakerinnen verkauft und mit Klopfer Philipp jemand, der sie einkaufen würde. Und von beiden kamen gute Tipps wie man sich diesbezüglich im Markt positionieren könnte. Ein reines Frauenpanel wäre genauso am Thema vorbei wie ein reines Männerpanel. Und da sehe ich dann auch wieder das Hauptargument für die Mischung auf Konferenzen. Nicht sklavisch als Quotenerfüllung um der Quote willen sondern weil es die Konferenz besser macht. Genau wie die Themen gemischt sein müssen, müssen auch Referenten und ihre Sichtweisen es sein. Und ja, da hatte Wolfgang vielleicht seinen richtigsten Satz gesagt: Konferenzen auf der weiße Männer mittleren Alters wie ich sprechen, langweilen mich als Teilnehmer selber. Dass es genug Alternativen gibt und genug motivierte Menschen, um es zu thematisieren und voran zu treiben, das hat dieser Abend bewiesen.

Sven-Olaf Peeck

Sven-Olaf Peeck

Geschäftsführung

Er mag das Internet und digitales Marketing. Er glaubt daran, dass alles messbar gemacht werden kann und auch sollte. Entsprechend schreibt Sven oft über Messbarkeit oder teilt seine Bewertung von Hypes. Svens Hoffnung: dass Firmen durch mehr Wissen weniger Quatsch im digitalen Marketing machen.

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