Google+: das Plus und Minus nach den ersten 24 Stunden - Onlinemarketing, Social Media & Content Marketing | crowdmedia GmbH Hamburg
Navigation

Social Media

Google+: das Plus und Minus nach den ersten 24 Stunden

von Sven-Olaf am 2. Juli 2011 verfasst


Die Ausgangssituation

Auch wenn im vergangenen Monat von sinkende Userzahlen bei Facebook die Rede war – die Weltkarte der Social Networks schien gezeichnet zu sein: mit Facebook als Platzhirsch mit Ausnahme weniger Länder wie China (sie dürfen nicht) oder Brasilien (sie sind nicht #1 aber sie wachsen).

Aber am 29.06. startete Google+. Und zu dem +1 Button , den Google vor einigen Wochen ins Rennen geschickt hatte, gesellte sich eine ganze Plattform mit neuen Features.

Die Frage und für viele vielleicht auch die Hoffnung: Wer wenn nicht der Suchmaschinen-Primus Google könnte Facebook das Wasser reichen bzw. es vielleicht sogar abgreifen.

Die zentralen Features von Google+ auf den ersten Blick

Der Stream

Sicherlich sehr Facebook-ähnlich kommt der Stream daher, Neuigkeiten aus dem Netzwerk und Bilder im Stream, sortiert nach Relevanz, die sich ähnlich wie bei Facebook aus Interaktion und Aktualität zusammensetzt. Der Stream ist dabei filterbar nach verschiedenen Circles , linker Hand sehe ich potentielle Chat-Partner online, rechts erwarten mich Vorschau meiner Kontakte sowie Empfehlungen für neue Kontakte, darunter – vergleichbare Funktionen wie Facebook in ähnlicher Optik bei anderer Sortierung.

Und auch bei den Einträgen gibt es nichts was überrascht: ich kann kommentieren und statt liken gibt es den „+1“-Button (–> plussen?)

Also auf den ersten Blick sieht es sehr nach Facebook2 aus. Aber werfen  wir einen Blick auf die Features, die Google+ noch so zu bieten hat.

Circles / Kreise von Kontakten in Google+

Wer kann was bei mir sehen? Wo stelle ich meine Privat-Spähre ein? Was sind die aktuellen Standardeinstellungen? Vielleicht der Punkt, der (zumindest in Deutschland) den Usern bei Facebook am stärksten aufstößt. Und die aus meiner Sicht auch die Trennung beruflich / privat für viele User so schwierig macht.

Und hier scheint Google+ mit seinen Circles ansetzten zu wollen. Im Gegensatz zu den Listen auf Facebook, die sperrig in der Erstellung und Administration waren, ist die durchaus vergleichbare Funktion der Circles bei Google+ ein sehr dominantes Feature: direkt in der Navigation verankert, graphisch ansprechend umgesetzt.

Circles bieten mir die Möglichkeit Kontakte zu organisieren, und sie in einen oder verschiedene Kontexte zu sortieren – so kann eine Person ein Freund, ein Bekannter, ein Kollege oder ein Familienmitglied sein oder auch in mehreren dieser Gruppen auftauchen.

Und hier ist auch ein ganz großer Unterschied zu Facebook (oder XING und LinkedIn), die Mitgliedschaft in Circles beruht nicht auf Gegenseitigkeit. Es müssen keine Kontakt- oder Freundschaftsanfragen beantwortet werden, es ist eher ein „Follower-Verhältnis“ wie zwischen Facebook-Pages und ihren Fans oder auf Twitter.

Gleichzeitig geben mir die Circles und die Standard-Einstellungen für die Sichtbarkeit von Informationen die Möglichkeit sehr genau (bis auf Personen-Ebene) einzustellen, wer welche Information von mir zu sehen bekommt – inklusive eines Vorschau-Tools, dass mein öffentliches Profil für verschiedene Besucher (Freunde, Bekannte, Fremde) simuliert.

Und bei jedem Status-Update kann die Zielgruppe definiert werden – von Einzelpersonen, über ausgewählte Circles bis zu öffentlich verfügbar.

Hangouts und Huddles – Videochat auf Google+ und Gruppenchats über das mobile Endgerät.

Das Thema Messaging scheint Facebook am Herzen zu liegen, die Entwicklung zum Unified Messaging (Verschmelzung von Chats und Nachrichten), die Gerüchte, dass auch Video-Chat in der Pipeline sei oder es vielleicht sogar ein Facebook Mobiltelefon geben wird – alles Sachen die Sinn machen, um die Bindung an die Plattform zu erhöhen.

Google+ biete an dieser Stelle mit den HangOuts die Möglichkeit des Videochats über die Plattform und das wiederum als Gruppengespräch in das Konzept der Circles integriert.

Für das mobile Endgerät gibt es Huddles, Gruppenchats innerhalb von Circles – die z.B. im Anwendungsfall „Verabredung“ innerhalb eines Circles ablaufen könnten um sich zu koordinieren. Erinnert also etwas an die Ansätze für Kollaboration, die bereits in Wave als Case herhalten mussten.

Sparks auf Google+

Mein aktuelles Lieblings-Feature sind die Sparks. Sparks sind wohl am besten vergleichbar mit Suchagenten. Ich abonniere ein Thema wie z.B. Fußball, Politik, Online-Marketing und erhalte zu diesem Thema aktuelle Ergebnisse als Ausgangspunkt oder Teaser für weitere Recherchen.

Vorteil aus meiner Sicht, dass die Infos vom User initiiert werden müssen, sie laufen nicht automatisch in meinen Stream und verstopfen meinen Stream sondern sind ein Navigationspunkt – eine recht vielversprechende Informationsquelle. D

Google+ App für Android

Der interessierte iphone User muss noch auf die Google+ App warten, auf Android ist sie natürlich direkt zum Start verfügbar. Alles sehr funktional, die Installation ging schnell , da mein Endgerät bereits mit meinem privaten Google Account und meinem Firmen-Mail Account verknüptf war, musste ich nur den passenden Account aussuchen und war angemeldet und „good to go“.

Die Locations sind scheinbar ungenau (einige Postings zu dem Thema kamen bereits im Stream hoch). Und ganz schlecht aus meiner Sicht: es gibt die Sparks nicht! Das war heute morgen eine bittere Enttäuschung, das Galaxy Tab in der Hand und 35 Minuten Bahn und Bus in der City vor mir – da wären ein paar Artikel sicherlich drin gewesen, aber das fiel leider aus.

Aus diesem Überblick ergibt sich sicherlich für die meisten eine ganz klare Frage:

Ist Google+ ein ersthafter Rivale für Facebook?

Kann Google+ Facebook Konkurrenz machen? Will und soll es das überhaupt? Die Stimmen der ersten 24 Stunden bei mir im Stream von Google+  reichen von „das bessere Facebook“ bis zu „eher eine Konkurrenz für andere Dienste“ oder auch „zu viele Features, zu viel drumrum, ich hätte mich an der Einfachheit von Google Search orientiert.“ (Ein guter Hinweis, wenn man daran denkt, dass Google Wave aus meiner Sicht gerade wegen Feature-Overkill und schwer zu begreifenden Vorteilen gefloppt ist).

Aber schauen wir uns die Vor- und Nachteile von Google+ an:

Die Vorteile von Google+ im Vergleich zu Facebook.

Die Circles sind funktional sinnvoll, gut benutzbar, graphisch ansprechend, somit könnte hier der gefühlten „Datenschutz-Angst“ gegenüber Facebook ein Vorteil von Google liegen, aber mal im Ernst, der Satz „ich vertraue beim Datenschutz Google“ scheint mir (deutsche Sicht) auch nicht wirklich gut von den Lippen zu gehen.

Was sicherlich ein Vorteil sein könnte, ist die Filterbarkeit des Contents. Ich kann sowohl nach Absendern filtern als auch bestimmten Empfängergruppen gezielt Informationen zukommen lassen, spamme also z.B. nicht meine gesamten Kontakte mit langweiligen beruflichen Themen voll.

Potential hat die Integration von G-Mail, die Tatsache, dass Google Suche integriert werden kann (und nicht wie bei Facebook ein Bing als gefühlter Plan B herhalten muss).

Das Contra für Google+ im Wettbewerb mit Facebook.

Facebook kann mit einem ganz großen Pfund wuchern: 700+ Millionen aktiven Usern. In den ersten Tagen fällt auf Google+ vor allem eines auf: es ist ruhig. Im Gegensatz zum Informationsüberfluß von 380 Freunden und einigen sehr aktiven Fanpages, passiert auf Google+ gerade gefühlt gar nichts. Die „Action“ ist immer noch auf Facebook, da sind die „Nicht-Nerds“ die vermutliche von Google+ gerade mal auf SPON gelesen haben. Da gibt es die Möglichkeit Inhalte aus FourSquare automatisch zu posten und da gibt es eine automatische Sharing Funktion mit der Kamera meines Mobil-Telefons.

Und wenn das so bleibt und Google+ es nicht schafft, Wechselgründe zu bieten, dann wird Google+ wohl ein ähnliches Schicksal erwarten wie Google Wave (das ich auch heute noch sehr vermisse).


Aus meiner Erinnerung war die Reaktion auf Wave von den Leuten meistens „das brauch ich nicht, ich nutze Skype“. Der Funktionsumfang von Wave war zu groß, die Anwendungsvorteile zu schwierig zu kommunizieren, als dass User sich drauf einlassen würden und den Service massiv genutzt hätten.

Für wen könnte Google+ noch eine Gefahr bedeuten?

Vielleicht für Skype – wegen der Videointegration? Vielleicht für Twitter, weil der Content so schnell durchgereicht werden kann? Ein +1 ersetzt dann den Tweet-Button? Vielleicht für XING und Linked-In, weil ich die Trennung privat und geschäftlich (Facebook vs. XING) sauber hinbekomme und dafür keine zwei Accounts pflegen muss?

Und wie wird es weitergehen mit Google+?

Am Ende gilt für das Rennen zwischen Google+ und den Facebooks, XINGS & Co. wohl folgendes:

Es geht gar nicht so sehr darum, dass Google+ tolle Features hat und vieles richtig macht.

Um Verbreitung zu erhalten, müsste die bestehenden Netzwerke aus User Sicht auch Sachen verkehrt machen. Und zwar von ganz normalen Usern und nicht von Nerds, Techies & Social Media Addicts.

Dann könnte Google+  eine sinnvolle Alternative und einen Mehrwert für eine große Zahl von Usern darstellen.

All das wird man sehen, ich gehe aber aktuell nicht davon aus (auch wenn ich mich mit solchen Prognosen seit Wave zurückhalte), dass es massiv einschlagen wird.

Aber  zur Sicherheit den +1-Button auf unseren Blog einzubauen ist sicherlich kein Fehler gewesen.

Sven-Olaf Peeck

Sven-Olaf Peeck

Geschäftsführung

Er mag das Internet und digitales Marketing. Er glaubt daran, dass alles messbar gemacht werden kann und auch sollte. Entsprechend schreibt Sven oft über Messbarkeit oder teilt seine Bewertung von Hypes. Svens Hoffnung: dass Firmen durch mehr Wissen weniger Quatsch im digitalen Marketing machen.

Vom simplen Persona Steckbrief zur konkreten Buyer Persona

22. Februar 2011

Social Media Monitoring – Content Marketing dank Social Data optimieren

22. Februar 2011

Marketing mit Digitalen Sprachassistenten

22. Februar 2011