Social Media

Twitter Bestcase @sweden – und viel Erfolg für @hamburg bei twitter.

von am 31. Juli 2012 verfasst


Was macht einen Twitter Bestcase aus? Eigentlich zeigen Bestcases in Social Media ja immer Kanalverständnis, Mehrwert für den Nutzer, authentische Kommunikation und den Mut, „einfach zu machen“. Das hat auch mein Favorit der Twitter Bestcases @sweden bei twitter.

Curators of Sweden – wir alle sind Schweden, einer nach dem anderen.

Das Prinzip ist simpel aber genau wie Ikea Möbel in ihren besten Momenten auch unheimlich genial. 7 Tage lang ist ein twitterer der Curator of Sweden, er oder sie darf über den offiziellen Account @sweden munter drauflos zwitschern. Und zwar einfach so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und diesen „Mut“, offen zu sein für ungeplantes, ungesteuertes und vielleicht auch kontroverses, finde ich beeindruckend.

Unlängst mäkelte ein österreichisches Magazin noch über die möglichen Risiken, als eine alleinerziehende Mutter unter @sweden fröhlich von ihrer wilden Vergangenheit, darunter reichlich Drogenerfahrungen, twitterte und Meinungen äußerte, die nicht unbedingt unter das Label „politisch korrekt“ fallen. Sie polarisierte, keine Frage. Aber das ist das Abbild einer Gesellschaft in all ihrer Vielfalt. So gehen die Meinungen halt auseinander … twitter Bestcase oder Blindflug …

kein Twitter Bestcase deswegen?

Nun, authentisch ist es, und wenn man sich aus dem Fenster lehnt, kann man auch hinausfallen. Oder bin ich da zu blauäugig? Nein ich denke nicht. Das ist Volkes Stimme und darauf gilt es zu hören. Weg hören und weg gucken löst keine Probleme (hierzu auch gerne einen Blick auf die „NPD auf Facebook„-Analyse werfen).

Folgender Tweet ist vielleicht nicht politisch brisant aber unseren Freunden aus dem Vorarlberg und der zitierten Social Media Expertin Natascha Ljubic dürfte dabei schlecht werden. 😉

Okay, nicht immer Twitter Bestcase

Deswegen finde ich es ja auch wichtig die Rechtsaußen bei Twitter zu lesen, wenn Michel Friedman in einer Talkshow ist. Wir müssen auch die NPD bei Facbook im Auge behalten. Für mich ist das Cluetrain in seiner Reinform.

Keine gekünstelten Katalogwelten, sondern echte Gespräche zwischen echten Menschen. Ehrlich, offen, authentisch, mit Ecken und Kanten, Falten und Vertippern.

Wie gesagt ich mag diesen Ansatz. Für mich ist es ein Twitter Bestcase! Beispiel gefällig?

Hier ein screenshot vom 23.07., zu der Zeit twitterte Tilde, lesbisch, nerdy, (Web)- Designerin.

Twitter BestCase @sweden, das Profil von Tilda

Und auch sie steht für Themen, die in einer normalen Marketingsprech-Welt in der offiziellen Tourismus Broschüre gelandet wären.

Mein Twitter Bestcase - authentische Kommunikation

Ich komme gerade aus einem Workshop, in dem u.a. Filter Bubbles ein Thema waren. Dort drehte es sich um die Frage: Wie groß ist die Gefahr, in Social Media Kanälen nur im eigenen Saft zu schmoren und wird meine Meinung, als eine Art selbst erfüllende Prophezeiung, stets bestätigt?

Ich sehe das Phänomen der Filter Bubbles ja durchaus als ein ernstes Thema an (gerade wenn der Google Algorithmus sich weiter so stark in Richtung Personalisierung entwickelt). Und das Argument meiner Ansprechpartnerin im Workshop, dass Zeitungen breiter informieren, ein vielseitigeres Bild vermitteln, das klingt logisch und abnickenswert. Aber ein paar weitere Gedanken zu den Beispielen, die Eli Pariser anführt, seien mir noch erlaubt. Ja, die Gefahr des „im eigenen Saft schwimmen“ besteht. Aber auch bei den wegen ihrer Informationsbreite gelobten Feuilletons der deutschen Printlandschaft frage ich mich: Steht da wirklich etwas unerwartetes drin?

Eli Pariser argumentiert, dass Meinungen sich über Google und Facebook selbst verstärken, weil keine externen Impulse in den Kreis dringen. Die Linken reden mit den Linken und stimmen den Linken zu bei dem was die Linken sagen und meinen. Die Konservativen reden mit den Konservativen und finden alles, was die Konservativen sagen und meinen, super.

Ist das in Print so viel anders? Finde ich überraschende Meinungen in meinem präferierten Print-Titel? Lese ich als Oberstudienrat die Bild oder als Handwerksgeselle mittags die TAZ?

In der Regel wohl nicht. Also: auch hier Filter Bubble Gefahr, es ist kein originäres Social Media Problem von Twitter, Facebook und Co. Ich schrieb das schon mal zum Thema „kann man Medien vertrauen“, dass man Medien in der Regel nur wenig weiter trauen sollte als man sie werfen kann.

Aktionen wie die Curators of Sweden schaffen es, meine Bubbles zum Platzen zu bringen. Dafür bin ich dankbar. Sonst habe ich wenig Anlass und Gelegenheit mich mit mit dem Thema Manga und der Situation gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Schweden auseinanderzusetzen. Daher das Urteil: twitter Bestcase!

Aber die Frage für die Praxis: Hat die durchschnittliche Firma die Eier, um das auch durchzuziehen? Nun, vermutlich nicht. Daher ist es ja in der Praxis wirklich wichtig, Maßgaben zu erteilen, Vorgaben und Guidelines zu erstellen. Wer darf was, wenn im Namen der Firma gesprochen wird.

Wichtig und wahr ist und bleibt somit, dass der Blick über den Tellerrand entscheidet ist: Sei es durch @sweden oder Abgeordnete der Linken, denen ich bei twitter folge, oder durch das „Das goldene Blatt“, welches ich beim Arzt lese.

Bald kommt @weareHH – der hoffentlich nächste twitter Bestcase.

Geile Aktion. Fand ich am Anfang reflexartig doof – aber auch nur, weil ich die Idee nicht selber hatte und ich mir deswegen (mal wieder) doof vorkam. Aber persönliche Befindlichkeiten sind ja kein Grund, eine coole Aktion nicht als solche zu würdigen.

Ich bin gespannt und freue mich auf neue und bekannte Sichtweisen über und aus meiner Stadt. Also lasst es krachen und zeigt, dass ihr auch das Zeug dazu habt, einen Twitter Bestcase hinzulegen.

Update 20.08.2012: Inzwischen @weareHH an den Start gegangen.

1
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
Benjamin Grabbe

Ehemaliger

Ben ist ein crowdmedia-Urgestein. In der Startphase 2010 war er der erste Nicht-Gründer im Team. Ben ist begeisterter A-cappella-Musiker. Das ist auch der Grund, warum sich unsere Wege Mitte 2012 trennten. Mit seinen Bandkollegen von Mundial wollte er wissen, ob sie von der Musik leben können. Alle vier nahmen sich im Job eine Auszeit und stellten die Band für 12 Monate in den Mittelpunkt. Wir haben die Daumen fest gedrückt. Aber leider reichte es nicht. Mundial sind – soweit wir wissen – immer noch am Start und treten dann und wann auf Festen auf. Ben ist im Job zurück zu seinen Wurzeln gekehrt und Social-Media-Manager bei Elbkind und PuK.

Can’t touch this – Unsichtbare Produkte in Social Media sichtbar machen

Existiert Facebook in 10 Jahren noch? Ja [ ] | Nein [ ] | Vielleicht [ ]

Ding dong, das Einhorn ist tot