Meinung

Was Springer gerade richtig macht. Und wie der Geist Axel Springers darin steckt.

von am 16. August 2013 verfasst


Letzte Woche war ich für einige Stunden Teil der Springer-Welt. Nicht tief in den Konzernstrukturen, sondern als aktiv beobachtender Mentor im Rahmen des PlugAndPlay Accelerators. Eines der Formate von Springer, das beweist, dass man neue Wege zu gehen bereit ist. Bei dem, was dort an Ressourcen und Netzwerk aufgefahren wird, wird einem Beobachter schnell klar, dass man keine „halben Sachen“ (mehr) zu machen gedenkt. Von der Beteiligung eines Dr. Jens Müffelmann als Mentor bis zum Networking in der Journalisten Lounge im 19. Stock im Herzen von Springer lässt sich das an vielen kleine Signalen ablesen.

Aber auch über das große Signal, den publikumswirksamen Paukenschlag des Verkaufs von eigentlich noch profitablen Titeln, musste ich in Berlin nachdenken. Am Vorabend war ich nach Terminen auf dem Weg zu meinem Hotel; auf einer der vielen geschichtsträchtigen Strecken Berlins: vom Potsdamer Platz über den Checkpoint Charlie bis zur Axel Springer Straße.

Während ich an den Resten der Mauer entlang ging, wurde mir klar, welche Symbolik in der Entscheidung lag, in den 60ern von Hamburg nach Berlin zu gehen. Bild und Co. wurden direkt an der Grenze, direkt an der Front produziert. Diese Front gibt es nun seit 1989 nicht mehr. Dort, wo andere wie die Deutsche Bahn oder die Bundesministerien in den Jahren nachgezogen sind, war Springer schon über 20 Jahre Platzhirsch.

Es wurde in den letzten Wochen gefragt, ob die Entscheidung das Abendblatt abzustoßen mit dem Geist und der Geschichte Springers zu vereinen sei. Ich denke ja, denn auch hier wird konsequent die Komfortzone verlassen und direkt an der neuen digitalen Front gearbeitet.

Dass an dieser „Front“ (ich bleibe da mal martialisch) in den vergangen Jahren vieles zu gewinnen und noch mehr zu erleiden war, haben viele Firmen bereits erlebt. Verlage waren mit steigendem Konkurrenzdruck und dem Wandel der Mediennutzung die ersten, die hier in eine Transformation gezwungen wurden. Auch die Distanzhändler oder Reisekonzerne haben ihren Teil an disruptivem Wandel erlebt.

Der „anständige deutsche Mittelstand“ bleibt davon in vielen Bereichen vielleicht noch verschont. Aber auch vor ihm stehen große Herausforderungen, die das Abenteuer Digitalisierung mit sich bringt und noch mitbringen wird. Hier reden wir nicht nur von Absatzpotentialen oder Anpassung des Kanalmixes hin zu einem größeren Onlineanteil. Die Herausforderung aller wird es in den nächsten 10 bis 15 Jahren sein, eine digitale Unternehmung zu werden: von Personaler über den Service bis zum Vertriebler. Vom Azubi bis zum Vorstand wird digital gelebt (und gelernt) werden müssen, um am Markt bestehen zu können: absatz-, prozess- und beschaffungsseitig.

Wie konsequent und zielgerichtet man mit solchen Herausforderungen umgehen kann, das ist am Beispiel von Springer zu sehen. Wer zögerlichere Ansätze bevorzugt, der kann sich bei anderen Medienhäusern (mit Hamburger Wurzeln) umschauen.

Das Verlagshäuser in den nächsten fünf Jahren die Früchte ihrer Entscheidungen ernten werden, das ist für mich sicher. Ich würde dabei allerdings auf diejenigen setzen, die sich schon einmal entschieden haben, direkt „an die Front“ zu gehen und es heute wieder tun.

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Sven-Olaf Peeck

Geschäftsführung

Er mag das Internet und digitales Marketing. Er glaubt daran, dass alles messbar gemacht werden kann und auch sollte. Entsprechend schreibt Sven oft über Messbarkeit oder teilt seine Bewertung von Hypes. Svens Hoffnung: dass Firmen durch mehr Wissen weniger Quatsch im digitalen Marketing machen. Folge ihm auf LinkedIn oder Twitter für mehr Infos und auf instagram für Bilder mit dem HDR Regler am Anschlag .

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