Erklärung des EdgeRank bei Facebook

Social Media

Wer sieht eigentlich was auf Facebook – eine Erklärung des EdgeRank

von am 22. August 2012 verfasst


Stichwort: Sichtbarkeit im Newsfeed

Im persönlichen Newsfeed jedes Users tauchen Informationen von Freunden, Fanseiten, Applikationen oder sonstigen Abonnements, die man als User verfolgt, auf. Im Newsfeed tauchen NICHT ALLE Informationen der jeweiligen Absender auf. Im Folgenden fokussieren wir uns auf Neuigkeiten von Freunden und Fanseiten.

Warum ist das so?

Facebook möchte, dass der User sich wohl fühlt, viel Zeit auf Facebook verbringt und dabei auf Werbung klickt (letzteres ist aber ein eigenenes Thema). Konzentrieren wir uns auf den Aspekt „Zeit verbringen“. User sind nur dann bereit zu bleiben und wiederzukommen, wenn es für sie relevante Themen gibt bzw. die verbrauchte Zeit ihnen irgendeinen anderen Mehrwert bringt wie zum Beispiel niedrigschwellige Kommunikation u.Ä. In diesem Beitrag richte ich meinen Blick ausschließlich auf den „informativen Mehrwert“, den Facebook bringt. Würde ich als User ALLE Informationen ALLER Freunde und Fanseiten in Echtzeit bekommen, wäre ich wahrscheinlich durch unwichtige Informationen, die schnell durch den Newsfeed laufen, schnell genervt.

Daher gibt es den EdgeRank: Ein Algorithmus, der die Posts entsprechend Ihrer Relevanz filtert und dann erst an den Usern im Newsfeed ausliefert. Er bestimmt, welche Meldungen in welcher Reihenfolge angezeigt werden. Ähnlich wie bei Google ist dieser Algorithmus geheim, aber man kennt die Parameter, die ihn beeinflussen (vgl. Suchmaschinenoptimierung). Die wichtigsten Kriterien in Kürze zusammengefasst:

Aktualität (Aktualitätsindex)
In einfachen Worten: Je aktueller desto besser. Eine Nachricht von gestern wird schlechter gerankt als eine Nachricht von vor 10 Minuten.

Feedback (Interaktionsindex)
It’s all about Engagement. Je mehr User reagieren („Gefällt mir“-Klicks, Kommentare, Teilen) desto besser wird der Post gerated und desto höher ist sein Platz im EdgeRank.

Affinität (>Sozialer Index)
Affinität beschreibt den Grad der Beziehung zwischen Publizierer und Leser. Der Leser wird häufiger Posts von Freunden und Fanseiten sehen, mit denen er stärker kommuniziert und somit stärker verbunden ist. Auch die Anzahl gemeinsamer Verbindungen wirkt auf diesen Faktor ein.

Neben den Hauptindizes gilt außerdem, dass Bilder und Videos durch ihre höhere visuelle Kraft höher gerankt werden und dass Facebook auch hinterlegte Interessen, Demografie und lokalen Bezug zur Berechnung hinzuzieht.

Die drei wichtigsten Indizes haben wir euch visuell aufbereitet:

Quelle: crowdmedia

 

Wer außer Text und Bild noch ein Video zur Erklärung benötigt, ist mit dem Tutorial von Kluring Analytics gut beraten:

Aktuelle Beobachtungen zeigen: Affinität rules!
Wenn Ihr euren Newsfeed aufmerksam studiert, werdet ihr feststellen, dass unter den unterschiedlichen Erfolgsindizes die Affinität klar vorne liegt. Das heißt. ein Post von gestern, der nicht viel Response erhalten hat, aber zu dessen Ersteller ich eine hohe Affinität habe, sehe ich (wahrscheinlich) heute in meiner Timeline. Diese Erfahrung teilt auch Marketo in ihrem Blog

Hintergrundinformation:
Die Durchschnitts-Fanseite erreicht mit ihren Posts nur 17% der User. Diese Zahlen wurden auf der Facebook Conference im Juni bekannt gegeben. Und nur 1-2% der User besuchen eine Fanseite wirklich. Kommen wir nun zu der entscheidenden Frage:

Was bedeutet das Wissen über den EdgeRank für meine Content-Strategie?

Engagement, Engagement, Engagement oder: Fans finden und binden.
Man muss Interaktion provozieren. Hierfür können gezielt Stilmittel eingesetzt werden (vgl. Thomas Hutter) wie z.B. Fragen stellen, Call to Action, Interaktion mit Faninteraktion etc.
Wir sagen in unseren Seminaren immer: „Lasst es menscheln!“ Fast jedes Unternehmen hat Geschichten von den erfolgreichsten Posts: die Cupcakes zum Firmenjubiläum (Bonprix), die Krapfen zum Karneval (DATEV), T-Shirt für Masterandin mit Bekanntgabe der Zensur für die Masterarbeit (crowdmedia) etc. – die Post zeichnen häufig die Spontanität und die Persönlichkeit aus, auch wenn es „nur“ ein Schnappschuss ist. Auf Facebook funktionieren diese nun mal meistens besser als die hochwertigsten Kampagnenbilder. Genauso geht es mit Inhalten zu Wetter, Wochenende, EM, WM und Weltfrieden – sie locken den Fans relativ schnell das „like“ aus der Tasche und – schwups – schon gibt es EdgeRank-Punkte.

Wenn ich also hin und wieder Content „der leicht verdaulichen“ Art einfließen lasse, hat mein hochwertiger, sales-orientierter – oder was auch immer mein Unternehmensziel ist – Content eine höhere Chance in der Auslieferung. Und wenn Euch mal gar nichts einfällt: Katzen-Content geht immer…

Svenja Teichmann

Geschäftsführung

Svenjas Themen liegen in der Strategie sowie in der Entwicklung von Organisationen, damit sie die Potentiale der Digitalisierung nutzen können. Darum drehen sich auch ihre Blogartikel. Sie ordnet Trends ein, die ihr begegnen und lässt manchmal auch Dampf ab, wenn ein Thema ohne Sinn und Verstand zum Hype wird.

Bin ich ein digitaler Wutbürger?

22. Februar 2011

crowdmedia-Jahresrückblick 2018

22. Februar 2011

Weihnachten 2018: Unser Beitrag für eine offene Gesellschaft und der Verteidigung unseres Internets

22. Februar 2011