Meinung

Wie sinnvoll sind Facebook Apps?

von am 26. November 2013 verfasst


Hellhörig wurde ich vor wenigen Tagen, als ich die Zusammenfassung der Allfacebook Developer Conference las: Heiko Hebig, Facebook Partnerships Manager, rät Entwicklern, sich in Zukunft nicht mehr allzu sehr auf die Entwicklung von Facebook Tab Apps zu stützen. Klingt schockierend, wenn ein Facebook Manager sagt, dass mit einer hauseigenen Technologie in Zukunft nur noch wenig gutes Geld verdient werden wird.

Was ist schlecht an Facebook Tab Apps?

Ein großes Manko ist die Nichtverwendbarkeit auf mobilen Endgeräten. Wer mobil auf Facebook Apps zugreifen will, landet im Nichts. Das war schon immer so. Zudem sind die Dinger teuer. Eine seriöse App, die eigens für den Kunden konzipiert und umgesetzt wurde, überschreitet problemlos die 1000-Euro-Grenze. Von der Vorlaufzeit, die so ein Projekt frisst, ganz zu schweigen. Aber für beide Probleme gibt es Alternativen.

Mobile Ausweichseiten

Die günstige Variante ist, eine mobile Ausweichseite zu schalten, die vermeldet: „Unsere App kannst du leider nur per Desktop erreichen. Komm doch später nochmal wieder“. Findige Leute sammeln bei dieser Gelegenheit eine Mailadresse ein und verschicken 12 Stunden später eine Mail, in der steht „Du wolltest doch heute morgen mobil auf unsere App zugreifen. Vielleicht sitzt du ja jetzt am PC. Versuche es doch noch einmal.“ Teurer ist es, die ganze App als mobile Website 1 zu 1 nachzbauen. Der normale User merkt an seinem mobilen Device meistens gar nicht, dass er bei dem Zugriff auf die App eigentlich auf eine mobile Website umgeleitet wurde.

Apps aus dem Baukasten

Natürlich lässt sich Konzeption und Programmierung preislich drücken, wenn man auf Baukastensysteme zurückgreift. Aber das ist wie mit Baukasten-Homepages. So gut sie auch sind, sie bleiben Baukästen. Jemand muss sich mit der Konfiguration beschäftigen, Grafiken müssen trotzdem angepasst werden, technische Schwierigkeiten bedeuten auch hier hektisches telefonieren. So viel wird also gar nicht gespart. Hinzu kommen Limitierungen wie eine Begrenzung der Teilnehmerzahlen oder ähnliches. Für eine Marke, die sich wertig darstellen möchte, ist so ein Baukasten meistens nichts.

Fangating mittels Posting

Neuerdings dürfen Seitenbetreiber ihre Faneinsammelgewinnspiele auch über Postings abfeuern. Das bringt wenig. Denn erlaubt ist lediglich, die Teilnahme an ein „Like“ oder einen „Kommentar“ zu binden. Und diese haben eine geringe virale Reichweite, sie tauchen nur in dem kleinen Newsstream rechts auf. Eine App mit einem „Share“-Button wirkt da ganz anders – erfolgreicher. Außerdem ist ein Gewinnspiel-Posting an formale Bestimmungen gebunden, die das Posting unhandlich wirken lassen.

Trotzdem keine Apps mehr bauen?

Ich bin der Meinung, dass auch Apps in Zukunft ihre Berechtigung haben werden. Der Markt wird sich lediglich bereinigen. Es wird Seiten geben, die sind mit einem Baukasten gut bedient. Es wird Seiten geben, die – gerade beim Start – auf massives Fangating angewiesen sind. Und es wird Seiten geben, die ihre Fans mit einer geilen App einfach nur bespaßen wollen.

Native Apps

Seit Jahren schon die Königsklasse: die eigene App, die sich mit Facebook verknüpfen lässt. Die sind aber, seien wir ehrlich, sautauer. Aber leider auch geil. Für Unternehmen, die „digitale Strategie“ ernst meinen, aber in jedem Fall eine Option. Am Ende bleibt, was immer bleibt: Wenn der Plan gut, der Content exzellent ist – dann ist der Kanal nur ein Kanal, der sich bezahlbar in den großen Plan einreihen lassen muss.

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Wilko Steinhagen

Ehemaliger

Wilko gehörte zu den ersten Kollegen bei crowdmedia. Im Sommer 2011 trafen wir uns nach unserem Umzug in einer Büro-Gemeinschaft auf der Reeperbahn. Schnell wurde er aus einer lockeren Kooperation mehr und Wilko der erste Redaktionsleiter bei crowdmedia. Alles was Blog und Newsletter bei uns angeht, steht auf einer Basis, die Wilko gelegt hat. Auch wenn das Abenteuer Reeperbahn nach nur eineinhalb Jahren endete, blieb Wilko uns bis Sommer 2016 als Kollege erhalten. Dann zog es ihn samt seiner Familie nach Schleswig, wo er als Online-Marketing-Manager bei einem mittelständischen Unternehmen tätig ist.

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