Social Media

XING Nutzer in Deutschland – wie lange noch Platzhirsch?

von am 23. August 2012 verfasst


Aktuell gibt es über 5.5 Millionen XING Nutzer in Deutschland, weltweit 12.5 Millionen (Quelle: xing.com Pressemitteilung). Das Urgestein der Businessnetzwerke in Deutschland hat eine lange Historie. Es hieß mal openBC, war mal Orange und sah allgemein deutlich weniger nach Facebook aus. Es ging zwischendurch an die Börse und war eigentlich immer super. Aber die Einschränkung „eigentlich“ steht da nicht ohne Grund, denn als Visitenkartenspeicher ist es optimal. Aber als Social Network sehe ich da eher das Potential von WKW (werkenntwen.de) oder StudiVZ (kennt ihr noch?). Und das der große Global-Player LinkedIn um die Ecke kommt, ist keine Frage des „ob“ sondern eine Frage des „wann“.

Die Zahlen: XING Nutzer in Deutschland und die Erlöse

Fassen wir mal die Ausgangslage zusammen: XING gibt es seit 2003 am deutschen Markt und hat dort echt gute Zahlen hingelegt. XING hat mit 5,5 Millionen Mitgliedern (Stand März 2012) (davon 16% zahlende Premiumkunden) ein solides Standing im Markt. Es wurden im letzten Quartal (Q2/2012) 16 Millionen Euro umgesetzt und am Ende bleiben sogar noch Gewinne von 4,90 Millionen Euro über (Quelle: Pressemitteilung xing.com). Das Geschäftsmodell ist inzwischen neben Einnahmen aus Werbung und Premium-Mitgliedschaften breiter aufgestellt mit Events, Recruiter- und Firmenaccounts. Doch die Premiumservices machten in 2011 70% der Umsätze aus.

 

Statistik zu XING Nutzer in Deutschland

Quelle: eigene Darstellung nach XING Zahlen

Das sieht doch alles in allem so schlecht nicht aus.

Aber auch hier muss man kritisch anmerken, dass es momentan ein „einigeln“ und verteidigen des Heimatmarkts gibt. Sämtliche Bestrebungen, zu internationalisieren und in Auslandsmärkten zu wachsen sind (nach massiven Invests in Zukäufe von lokalen Playern in Lateinamerika und der Türkei) aufgegeben worden und es wird auf „halten“ gespielt. Eine Strategie, die schwierig ist, wenn es Kräfteverhältnisse mit dem Wettbewerb à la David vs. Goliath gibt.

Denn auch StudiVZ musste schmerzlich realisieren, dass scheinbar der globale Player in einer globalisierten Welt immer den längeren Hebel hat. Werfen wir einen Blick auf den Status Quo.

XING Nutzer in Deutschland: Wo geht die Reise hin?

Das Produkt XING hat aus meiner ganz privaten Sicht in den letzten Jahren gelitten. Viel wurde probiert wie z.B. die Fragen oder der Stream und die Status Updates, der XING Button zum Sharen, die Referenzen die Firmenprofile oder die Referenzen bzw. die Bestätigung von Profileinträgen durch Kontakte. Ich will das nicht alles pauschal schlecht reden, einige Features machen durchaus Sinn oder sind eine gute Basis für mehr. Aber in Summe ist es irgendwie ein Facebook in grün geworden und oft weder Fisch noch Fleisch.

Ein ganz krasses Beispiel für „gut geimeint ist nicht gleich gut gemacht“ sind die XING Apps (ich kann jetzt mal nur für die Android-Version sprechen, erinnere mich aber auch an die iPhone Version von vor 3 Jahren, die ich damals schon als eher buggy empfunden habe).

Das Ding ist lahm, stürzt ab, nervt, weil es beim Starten Megabyte-weise synchronisiert und – totaler Nervfaktor – schickt aktuell Notifies bei Profilbesuchern. Völlig sinnlos.

Werfe ich dann im Vergleich einen Blick auf die aktuelle LinkedIn App, dann finde ich die Optik ansprechender und Funktionen wie eine Kalenderintegration (nächster Termin oben rechts im Stream als Box) sind keine absoluten Lifechanger aber durchaus spannende Features. Kein XING Killer, aber aus meiner Sicht symptomatisch. Bei XING bin ich, weil es in Deutschland fast so etwas wie ein DIN-Standard ist und ich bin immer wieder verwirrt, wenn mal eine oder einer NICHT da ist. Das ist genau der Grund, warum ich LinkedIN kaum benutze – weniger Relevanz für Vertrieb und Kontaktpflege im deutschen Markt. XING kann diese irrationale Markenloyalität aber nicht nutzen, um einen dauerhaften Vorsprung aufzubauen.

Nachvollziehbar ist also die Hoffnung von LinkedIn, einen Teil der XING Nutzer in Deutschland für sich gewinnen zu können. Diese, also die Hoffnung, haben sie zumindest in einer Pressemitteilung zum Launch des Münchner Büros kundgetan:

“One of the drivers behind Germany’s recovery following the debt crisis was its strong export focus, with 71 percent of German SMBs exporting goods or services abroad. LinkedIn’s 120 million members worldwide, including more than 26 million members in Europe and fast-growing member bases in emerging markets such as Brazil and India, provide a great opportunity for German professionals to reinforce existing relationships and establish new connections with the international business community.” Quelle: LinkedIn Pressemitteilung

Wenn wir mein Lieblingstool zur Stützung diverser Arbeitshypothesen, Google Insights for Search, heranziehen, dann sieht es so aus, als ob LinkedIN noch viel nachzuholen hat und es nicht nur bei der Zahl der XING Nutzer in Deutschland einen Vorsprung für den Platzhirschen aus Hamburg gibt.

Also: Eine starke Basis ist vorhanden. Nicht nur was die reine Zahl der deutschen XING Nutzer angeht, sondern auch die Zahlen im Bereich Erlöse und der Nutzungsintensivität sind solide. Das passt soweit. Aber auf dem Kissen wird XING nicht mehr so lange gut gepolstert sitzen, wenn die Weiterentwicklung offensichtlich stockt. Eine Meinung. Meine Meinung. Aber auch andere melden Kritik an, wie z.B. Alexander Kluge, der durchaus nachvollziehbare Kritik an der Qualität der Kontakte bei XING äußert.

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Sven-Olaf Peeck

Geschäftsführung

Er mag das Internet und digitales Marketing. Er glaubt daran, dass alles messbar gemacht werden kann und auch sollte. Entsprechend schreibt Sven oft über Messbarkeit oder teilt seine Bewertung von Hypes. Svens Hoffnung: dass Firmen durch mehr Wissen weniger Quatsch im digitalen Marketing machen. Folge ihm auf LinkedIn oder Twitter für mehr Infos und auf instagram für Bilder mit dem HDR Regler am Anschlag .

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